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Heft 2/2008: Die 10 besten Managementideen | 13.05.2009

Kolumne

Blind Date mit 40

Von Holger Rust

Nun also wende ich mich zum ersten Mal an die Leserschaft dieses illustren Blattes und komme mir vor wie beim zögerlichen Eintritt in das Lokal, das für ein erstes noch anonymes Rendezvous vereinbart ist. Ein Blind Date.

Das Erkennungszeichen: Harvard Businessmanager, Februar 2008, die erste Ausgabe im Jahr unserer Begegnung. Und sonst? Ich weiß nichts, außer was in den Mediadaten steht: Der, der die verabredete Zeitschrift in Händen hält, ist im Schnitt 40 Jahre alt, hat sich nach einer akademischen Ausbildung eine führende Position erarbeitet und verdient recht gut. Punkt.

  Holger Rust  ist HBM-Kolumnist und Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover
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Holger Rust ist HBM-Kolumnist und Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover

Nicht gerade das Material für ein lebenssprühendes Phantombild.

Also Recherche im Netz: Was erwartet einen, der einen durchschnittlich 40-Jährigen erwartet? Schon nach kurzer Zeit müsste man eigentlich bereuen, eine solche Verabredung getroffen zu haben. Wenn das stimmt, was über die "Generation 40" verbreitet wird, ist im besten Falle, wie der Bayerische Rundfunk mitfühlend klagte, ein existenzialistisches Philosophicum über das "verdrängte Jahrzehnt" angesagt, ja noch schlimmer: über eine verlorene Generation! Und was die berufliche Aspiration betrifft: "Zauderer", "Abwarter" und "Abwäger", wie ein hoch renommiertes Wirtschaftsmagazin gefunden zu haben glaubte: "Wohlstandskinder der 60er, die sich vor der Verantwortung drücken und stattdessen lieber Selbstverwirklichung betreiben."

"Wohlstandskinder der 60er, die sich vor der Verantwortung drücken und stattdessen lieber Selbstverwirklichung betreiben."

Eine Frage drängt sich nun aber trotz dieser düsteren Zuschreibungen auf: Wie sich das alles mit den Bildern krachend umtriebiger Fortysomethings in der heutigen Wirtschaft verträgt: mit eleganten Vertretern dieser Generation, wie, nur zum Beispiel, Stephan Winkelmann, der bei Lamborghini die Gaspedale tritt, Uwe Herold, der vor einem Jahr zum CIO von SAP aufrückte, oder Ingo Witte, seit Kurzem Chef im HHLA-Containerterminal in Hamburg-Altenwerder? Ausnahmen? Sieht nicht so aus.

Denn wenn ich mit Absolventen diskutiere, die vor 15 oder 20 Jahren ihre Diplomarbeiten bei mir oder meinen Kollegen schrieben und nun in gediegenen Positionen wirken, höre ich nur: "Wir sind's gewohnt." Das Zeitgeist-Feuilleton hat sie unausgesetzt mit sonderbaren Etiketten beklebt: als "Generation X" und "Schwellengeneration zwischen 68 und 89", wenig später als "Generation Golf", dann als "Generation Berlin" oder "Generation ohne Profil". Manchmal waren es drei, vier gleichzeitig, und kein Etikett glich dem anderen. Pseudosoziologische Luftnummern, die den wahren Kern verfehlten: Kaum eine Alterskohorte ist so individualistisch, so geprägt von den unterschiedlichsten Optionen und Lebensstilen wie diese Gruppe zwischen 30 und 50. Sie sind Träumer und Pragmatiker zugleich. Sie leben in Lofts und Reihenhäusern und mitunter auf dem Land. Bei vielen sind die Kinder groß, manche haben gar keine, andere entscheiden sich gerade in diesem Alter überhaupt erst, eine Familie zu gründen. In dieser Lebensvielfalt liegt die große Kraft, weil sie - beruflich wie privat - Anregungen bietet für eine rege Kommunikation, für innovative Fantasie und das Gespür für die Wirklichkeit und ihre Zukunft. Wer immer mit dem Harvard Businessmanager unterm Arm zum Blind Date erscheinen wird: Langweilig wird es nicht.

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