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Heft 9/2008: Motivation | 13.05.2009

Kolumne

Auf in den Dschungel

Von Holger Rust

Nach Lage der Dinge wird es Zeit, Spitzenmanagern ein Event anzubieten, das ihnen das ultimative Managementvorbild nahebringt: Tarzan.

Nun werden viele verwundert schauen und fragen: Tarzan? Wieso Tarzan? Wie kommt der da drauf? Nun ja, ich habe mir einfach das Angebot der Abenteuerspiele zu Gemüte geführt, die sich mit dem Versprechen an gestandene Manager richten, zu lernen, wie man gestandener Manager wird. Der Logik dieser Seminare folgend, würde man von Tarzan eine Menge lernen: Er lebt im Dschungel, was ja schon eine erste gute Metapher fürs Business darstellt; er ist fit (hatte schon Waschbrettbauch, als der noch gar nicht als ikonografisches Leitmotiv des Managens zählte); er besitzt Delegationsgeschick (er brüllt nur kurz, und alle Mitarbeiter traben an, Affen, Elefanten); er handelt ethisch (kämpft gegen Tiertransporte und Elfenbeinexport); vor allem aber ist er ein "neuer Mann" (er lernt das Sprechen von einer Frau).

  Holger Rust  ist HBM-Kolumnist und Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover
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Holger Rust ist HBM-Kolumnist und Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover

Auf in den Dschungel also.

Und weil Dschungel in Europa rar sind oder unter Naturschutz stehen, bricht zum Beispiel eine Horde Führungskräfte in die Tiroler Alpen auf, um dort "Tarzan" zu spielen: "Die versammelte Führungsriege", las man in einem renommierten Wirtschaftsblatt, "reibt sich mit Schlamm ein, trägt Nadelholzröckchen statt Nadelstreifen. Durch das Einschmieren werden alle gleichgemacht. Hierarchien verschwinden im Schlamm", befand ein Campteilnehmer enthusiasmiert. So lerne man Teamfähigkeit.

Andernorts zur selben Zeit turnte eine Führungsriege im Hochseilgarten herum, an wieder einem anderen Ort standen zagende Gestalten auf einer 40 Meter hohen Plattform, von der sie, nur durch eine Gummiliane gesichert, herunterspringen würden. So lernten sie, lesen wir, ihre Grenzen zu überwinden. Einer, den ich kenne, sprang nicht, ließ sich stattdessen, begleitet von hämischem Gelächter, mit dem Fahrkorb wieder nach unten in Sicherheit transportieren. Die anderen mussten. Meinten sie. Jedenfalls taten sie es. Überwanden fliegend ihre Grenzen. Bis sie unten waren.

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Was sie da erfuhren, dämpfte den Swing der hübschen Metapher allerdings ganz erheblich: Sie pendelten hilflos an ihrer künstlichen Liane herum und kamen aus eigener Kraft nicht mehr hoch. Vielleicht ist das die wahre Metapher fürs Management? Wie auch immer: Der, den ich kenne und der nicht gesprungen war, hatte jedenfalls eines gelernt: Ich wusste gar, nicht, sagte er hinterher, wie selbstbewusst ich bin.

Wir haben das natürlich gefeiert. Und gedachten bei einer Flasche Nuit St. Georges all derer, die zu dieser Stunde über glühende Kohlen liefen, schwindelerregende Berge erklommen oder in unterirdischen Labyrinthen herumkrochen, all diese Sachen, die vor allem für zwei Zielgruppen angeboten werden: delinquente Jugendliche und Spitzenmanager. So kamen wir auf unsere Kinderjahre, und mir fiel ein, dass wir auch damals schon bei unseren Abenteuerspielen derartige Rituale pflegten, die sich vielleicht zu einem Managementseminar ausbauen ließen. Am nachhaltigsten ist mir eines Erinnerung in geblieben: das Mutpinkeln gegen Elektrozäune. Wir könnten es als Empowerment verkaufen.

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