Von Joseph L. Bower
Ich war entsetzt, als ich vor Kurzem von einer Umfrage unter 1380 Personalleitern von großen US-Firmen erfuhr, bei der 60 Prozent der Befragten angaben, in ihrem Unternehmen gebe es keine Nachfolgeregelung für die Geschäftsführung. Dieser Befund zeigt, dass zu viele Unternehmen in den letzten 20 Jahren die schwierige Aufgabe vernachlässigt haben, zukünftige Führungskräfte heranzuziehen; stattdessen sind die erfahrenen Manager mehr und mehr dazu übergegangen, sich auf Aktivitäten zu konzentrieren, die der Erreichung der Quartalsziele dienen.
Managernachwuchs: Die Vorbereitung auf einen CEO-Posten sollte mit 30 Jahren beginnen und dauert dann mindestens zehn Jahre
Wenn es Zeit wird, einen neuen CEO zu bestellen, wird immer häufiger außerhalb des eigenen Unternehmens nach Kandidaten Ausschau gehalten. Dabei spricht vieles dafür, dass ein CEO, der im Unternehmen groß geworden ist, für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens entscheidend ist. Beispielsweise ergab meine Analyse von 1800 Neubesetzungen des CEO-Postens, dass die Leistung des Unternehmens in jenen Fällen deutlich besser war, in denen Firmeninterne die Nachfolge des ausscheidenden CEOs antraten. Andere Wissenschaftler kamen bei der Auswertung ihrer Daten zu ähnlichen Ergebnissen.
Die quantitative Nachfolgeforschung bestätigt zwar die Vermutung, dass mehr Firmenexterne eingestellt werden und dass eine qualifizierte Unternehmensführung durch interne Führungskräfte mit besseren Unternehmensleistungen einhergeht. Sie liefert jedoch weder eine Erklärung für die Gründe, noch gibt sie Antwort auf die Frage, in welcher Beziehung diese beiden Tendenzen zueinander stehen. Diese ungelösten Fragen regten mich zum Nachdenken darüber an, was ich selbst zur datenorientierten Forschung beitragen könnte - zum einen durch eine qualitative Auswertung von Fallstudien und Interviews, die ich oder andere im Lauf der letzten zehn Jahre durchgeführt haben, zum anderen aufgrund meiner Erfahrung als externer Nachfolgeberater.
Unternehmen müssen also einen Weg finden, der es ihnen erlaubt, sogenannte Inside-Outsiders heranzuziehen, das heißt Führungskräfte aus dem eigenen Haus, die fähig sind, die Organisation mit kritischer Distanz zu betrachten. Dies mag dem einen oder anderen als Widerspruch erscheinen. Andererseits wird sich das Nachfolgeproblem nur noch verschärfen, wenn die Verantwortlichen im Unternehmen sich ihm nicht stellen.
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