ein Chief Restructuring Officer?

Was ist ...:

Von Michael Leitl
Heft 2/2007

Der Beruf ist nicht neu und war in den 80er Jahren als Krisenmanager bekannt. Doch seitdem hat sich viel getan, und inzwischen gibt es feine Abgrenzungen zwischen den Begriffen CRO und Krisenmanager. So ähnelt das Aufgabengebiet des CROs nach einer Studie der Wissenschaftler um den Gießener Wirtschaftsprofessor Wilfried Krüger dem des Vorstands oder Geschäftsführers - mit dem Unterschied, dass der CRO zusätzlich einen Auftrag zur Restrukturierung hat - und ihn als Manager in der Geschäftsleitung auch umsetzt. Entweder indem er den CEO vollständig ersetzt, bis er seine Aufgabe erledigt hat und ein neuer CEO eingestellt wird. Oder indem er dem CEO zur Seite gestellt wird, um die Restrukturierung zu koordinieren.

Als zum Beispiel das Unternehmen Märklin vom britischen Finanzinvestor Kingsbridge übernommen wurde, stellten die Investoren dem damaligen Märklin-Chef Paul Adams die CROs Jan Kantowsky und Ulrich Wlecke zur Seite - um die Sanierung zu begleiten. Beide kamen von der auf diese Aufgabe spezialisierten Beratungsgesellschaft Alix Partners.

Im Gegensatz dazu sind Krisenmanager auch auf niedrigeren Führungsebenen anzutreffen und lösen dort häufig gemeinsam mit Beratern ein bestimmtes Problem.

Da der CRO immer zu schlechten Zeiten ins Unternehmen kommt, benötigt er ein ganz spezielles Set von Eigenschaften: Den Gießener Forschern zufolge muss ein CRO vor allem Krisenerfahrung nachweisen. Branchenkenntnisse seien dagegen eher nicht erforderlich, dafür aber Führungs- und Durchsetzungsfähigkeit, vor allem wenn das alte Management ausgetauscht werde. Er solle entscheidungsfreudig sein, starke analytische und kommunikative Fähigkeiten besitzen. Nur wenn das alte Management bleibe, er also nicht den CEO ersetze, konzentriere sich der CRO eher auf die Finanzaspekte.

Ist das Werk getan, geht der CRO wieder auf die Suche nach neuen Herausforderungen. Zwischen einigen Monaten und maximal vier Jahren dauert so ein Job - bei täglicher Kündbarkeit. Mit der Akzeptanz der Tätigkeit wächst auch der Bedarf, und so steigt die Zahl der Beratungsgesellschaften, die sich auf diese Tätigkeit spezialisiert haben.

Der Begriff CRO bürgerte sich in Deutschland erst ein, nachdem verstärkt ausländische Investoren in kriselnde Unternehmen eingestiegen waren. Der neue Name hat nach Ansicht mancher Krisenmanager auch etwas Gutes. Er bietet die Chance, das schlechte Image loszuwerden, das dem Berufsstand häufig anhaftet: der Geruch von Resteverwertung. Doch sollte der Name nicht über die Fakten hinwegtäuschen: Erste Aufgaben des CROs sind nach wie vor die Sicherung der Liquidität, etwaiger Personalabbau und eine Stärken-und-Schwächenanalyse. Er ist eher kurz- und mittelfristig orientiert. Wenn der Job erledigt ist, übernimmt wieder der CEO.

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