Von Cornelia Geißer
Intellektuelles Kapital sind Vermögensgegenstände, die schwer zu messen und in Zahlen auszudrücken sind. Zum Beispiel das Know-how der Mitarbeiter, Prozesse, die dabei helfen, Werte zu schaffen, Beziehungen zu Kunden und Lieferanten. Die Wissensbilanz soll möglichst alle Faktoren sichtbar machen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens in der Zukunft beeinflussen.
In einem wissensbasierten Wirtschaftssystem haben intellektuelle Werte eine wesentlich größere Bedeutung für die Position im Wettbewerb als Maschinen und klassische Kapitalanlagen. Wohl auch deshalb hat die Europäische Union im Jahr 2000 in ihrer Erklärung von Lissabon die Devise ausgegeben, die Staatengemeinschaft in den folgenden zehn Jahren "zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen".
Ziele.
Wenn eine bessere Organisation von Know-how also die Wettbewerbsfähigkeit fördert, können Unternehmen mit Wissensbilanzen folgende zwei Ziele erreichen: Erstens können sie eine ganzheitliche Strategie für das Management ihrer Ressourcen erarbeiten. Hier ergeben sich Berührungspunkte zu anderen Managementinstrumenten. Die US-Wissenschaftler David Norton und Robert Kaplan zeigten zum Beispiel, wie Führungskräfte unsichtbares Vermögen und Strategie mit der Balanced Scorecard (BSC) verbinden können
(siehe Harvard Businessmanager, Mai 2004, Seite 18 - 33). Allerdings steht bei der BSC eher das Herunterbrechen von allen strategischen Zielen - auch denen, die nichts mit Wissensmanagement zu tun haben - auf Vorgaben für einzelne Abteilungen im Vordergrund. Zweitens kann die Wissensbilanz auch die Kommunikation mit Interessengruppen innerhalb und außerhalb des Unternehmens unterstützen, also zum Beispiel mit Mitarbeitern, Investoren, Lieferanten oder Anteilseignern.
Deutschland.
An dieses Ziel knüpft eine Initiative des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) an. Das Ministerium propagiert Wissensbilanzen seit dem Jahr 2002 insbesondere für Mittelständler. In einem Leitfaden des zuständigen Arbeitskreises heißt es mit Blick auf die neuen Kreditvergaberichtlinien (Basel II): Ein spezieller Vorteil liege für kleine und mittelgroße Betriebe darin, dass sie bessere Chancen auf einen Kredit bei einer Bank hätten, wenn sie ihr intellektuelles Kapital in einer solchen Form transparent machen können. Zu den Pilotunternehmen des BMWi-Projekts gehörten unter anderem der deutsche Caritas Verband, die Herrenbekleidungskette Sør und die Volks- und Raiffeisenbank Südpfalz.
Europa.
In europäischen Nachbarländern steht das Konzept der Wissensbilanzen schon wesentlich länger auf der Agenda. Insbesondere skandinavische Wissenschaftler, Regierungen und Praktiker verfolgen es seit Mitte der 90er Jahre. So unterstützt die dänische Regierung seit 1996 Forschungsprojekte auf diesem Gebiet. An den ersten Studien der Copenhagen Business School beteiligten sich Firmen wie der schwedische Finanzdienstleister Skandia, die dänische Shell
oder die schwedische Telekommunikationsgesellschaft Telia.
Im deutschsprachigen Raum sind die Österreicher Vorreiter. Universitäten sind dort seit 2002 sogar gesetzlich verpflichtet, Wissensbilanzen aufzustellen. Als erste Institution verfasste die Donau-Universität Krems eine solche Aufstellung. Auch die Österreichische Nationalbank legt seit 2003 über ihr intellektuelles Kapital Rechenschaft ab.
Bislang ist die Wissensbilanzen-Bewegung noch sehr stark von Wissenschaft und Politik getrieben. Außer den genannten Pilot- und Forschungsprojekten sind Wissensbilanzen in der Unternehmenslandschaft noch nicht sehr verbreitet.
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Artikel aus dem Harvard Business Manager
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von Kevin Coyne, Patricia Gorman Clifford
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