Stakeholder?

Was sind ...:

Von Michael Leitl
Heft 7/2006

Nicht nur Aktionäre kritisierten das Übernahmeangebot des Stahlkonzerns Mittal Steel für den Konkurrenten Arcelor. Neben Kunden und Gewerkschaften mischte sich auch der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton ein. Die Regierung sehe sich als Anspruchsgruppe (Stakeholder), weil die Zukunft Arcelors für Frankreich eine zentrale wirtschaftliche, industrielle und gesellschaftliche Bedeutung habe.

Die Stakeholder-Theorie geht auf R. Edward Freeman zurück. 1984 veröffentlichte der Professor für Unternehmensführung sein Konzept als strategisches Instrument für Manager. Denn diese müssten unabhängig von ihren Zielen berücksichtigen, wie ihr Handeln auf andere wirke und wie sich deren Taten auf das eigene Unternehmen auswirkten, um die für das Unternehmen beste Strategie zu entwickeln. Die anderen, das sind im Wesentlichen Mitarbeiter, Manager, Kunden, Lieferanten, Eigentümer, Staat und Gesellschaft sowie Konkurrenten. Um herauszufinden, wie diese Stakeholder reagierten, müsse man sie verstehen und wissen, wie deren Beziehungen untereinander aussähen.

Heute wird Stakeholder-Management vor allem im Zusammenhang mit der sozialen Verantwortung von Unternehmen gesehen und existiert in zahlreichen Varianten: Mal zählen Wettbewerber zu den Stakeholdern, mal nicht. Mal werden alle Interessen gleich behandelt, mal werden sie nach Bedeutung für das Unternehmen gewichtet. Kritiker wie der Berater Fredmund Malik nennen das Konzept einen Irrweg, weil sich Unternehmen lieber ihrer eigentlichen Aufgabe widmen sollten: Kunden zufrieden zu stellen.

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