Von Cornelia Geißler
Auf den meisten Stundenplänen stehen die klassischen betriebswirtschaftlichen Disziplinen wie Finanzen, Marketing oder Personal. Aber wie dieses Wissen erlangen? Soll es ein ein- bis zweijähriger Vollstudiengang sein? In den USA oder in Europa? Oder ein auf Wochenendkurse zusammengedampfter so genannter Executive-MBA? Oder doch lieber ein berufsbegleitendes Programm in mehreren Blöcken?
Historie.
Diesen Studiengang gibt es seit etwa hundert Jahren. Angeblich hat die Tuck School of Business am traditionsreichen Dartmouth College den ersten MBA-Abschluss angeboten. In Europa entstanden die meisten auf Wirtschaft fokussierten Universitäten erst Mitte der 60er Jahre. Führend waren die Schweizer, die Briten, die Franzosen und die Spanier. Schon früh spaltete sich die Bewegung in zwei Lager: auf der einen Seite die eher akademisch orientierten Schulen wie die London Business School und das IESE in Barcelona; auf der anderen Seite stärker praxisbezogene Institute, etwa das Henley Management College und das GSBA in Zürich.
Deutschland.
Bis vor kurzem war Deutschland in Sachen MBA Terra incognita. Bis 1998 führte der einzige Weg zu einem kaufmännischen Abschluss über einen sehr wissenschaftlich ausgerichteten Diplomstudiengang Betriebswirtschaftslehre. Das Diplom als Abschluss ist im Ausland oft erklärungsbedürftig. Heißt doch in den USA schon das High-School-Zeugnis - allenfalls einem Fachabitur ebenbürtig - "Diploma".
"Gestandene Fürungskräfte Jahre nach ihrer Erstausbildung an der Universität zu drillen hat in Deutschland keine Tradition."
Hürden.
Die Ausbildung für Manager mit Praxiserfahrung von theoretischem Ballast zu befreien und die Brücke zu Unternehmen zu schlagen erweist sich als zäher Wandlungsprozess. Die Zusammenarbeit der Professoren mit Praktikern funktioniert zwar in vielen ausgegründeten Beratungsunternehmen ausgezeichnet. Doch an der Universität ist es den Dozenten nach wie vor unangenehm, allzu tief in die Niederungen der Praxis einzutauchen. Viele scheinen zu befürchten, ihr Ruf in der Wissenschaftlerszene könnte dadurch leiden.
International konkurrenzfähig sind ohnehin nur eine Hand voll deutscher MBA-Programme. Sie müssen von einer der beiden maßgeblichen Akkreditierungsorganisationen für gut befunden werden: der amerikanischen Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) oder der European Foundation for Management Development (EFMD). Ein ungewohnt zentralistisches Vorgehen für die föderalistisch geprägte deutsche Hochschullandschaft. Dennoch sind erste Erfolge zu verzeichnen: Mindestens eines der Etiketten haben inzwischen etwa die Programme der Handelshochschule Leipzig, der Universität Mannheim und die Goethe Business School in Frankfurt.
Rankings.
Dann also doch ins Ausland gehen - nur wohin? Rankings sollen die Auswahl erleichtern. Die bekanntesten Listen veröffentlichen jedes Jahr die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" und das US-Magazin "Business Week". Wer diese Listen als Kriterium heranzieht, sollte wissen, was sich dahinter verbirgt: Die "Financial Times" stützt sich auf Kategorien wie Gehälter, Alumni-Netzwerke und Anzahl der Veröffentlichungen der Universität. "Business Week" macht die Bewertung vom Urteil der Absolventen und Unternehmen abhängig.
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