Babyboomer?

Was sind ...:

Von Cornelia Geißler
Heft 10/2005

Soziologen wie die Amerikaner Neil Howe und William Strauss bezeichnen mit diesem Begriff die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsgeneration bis Anfang der 60er Jahre. In Deutschland hatte der Boom seinen Höhepunkt im Jahr 1964, als das Allzeithoch von 1.357.304 "Lebendgeborenen" erreicht wurde; im statistischen Durchschnitt hat eine Frau damals 2,53 Kinder zur Welt gebracht.

Die Babyboomer waren schon immer etwas anders. Das zeigt sich unter anderem darin, dass sie nicht daran gedacht haben, in Sachen Familienplanung so weiterzumachen wie ihre Eltern. Warum sollten sie auch? Statt zwischen den Trümmern zweier Weltkriege sind sie in der bunten Welt des Wirtschaftswunders aufgewachsen. Die Frauen waren mit ihrer Emanzipation beschäftigt. Die Jugend hörte Elvis Presley und zettelte die 68er-Revolution an. Statistisch zeigte sich das neue Lebensgefühl schon zehn Jahre später: 1974 wurden in Deutschland nur noch 805.500 Kinder geboren, knapp 30 Jahre später noch 706.721.

In wenigen Jahren werden nun die ersten Babyboomer in Rente gehen. Für die Nachfolger (Generation X und die Millenials) geht es dann ans Eingemachte. Bereits 1990 schilderte der Amerikaner Ken Dychtwald in seinem Bestseller-Buch "Age Wave" den neuen Kulturschock, den die Horden von Babyboom-Rentnern in den USA auslösen werden. Spätestens seit der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher (Jahrgang 1959), der Nation mit seinem Buch "Das Methusalem-Komplott" ins Gewissen redete, ist nun auch in Deutschland klar, wie schlecht wir auf den stark wachsenden Anteil der Alten vorbereitet sind. Die Demografiedebatte ist ins Rollen gekommen.

Vieles spricht dafür, dass die Revoluzzer von damals erneut einiges aufmischen werden: zum Beispiel Unternehmen, Produkt- und Kapitalmärkte. Sie müssen gar nicht viel tun. Es reicht, wenn sie es im Alter ein wenig ruhiger angehen lassen und sich etwas gönnen. Allein das wird für das Management von Unternehmen eine Menge Konsequenzen haben: In den Führungsetagen werden große Lücken klaffen; bei Spezialisten wie Ingenieuren oder Naturwissenschaftlern wird es zu wenig Nachschub geben, fürchten Personalexperten. Ein Beispiel gefällig? 21 der 30 heute amtierenden Dax-Vorstände sind zwischen 1945 und 1964 geboren und gehören damit der Babyboomer-Generation an.

Marketingstrategen gehen davon aus, dass sich die Bedürfnisse der neuen Alten maßgeblich von denen der heutigen Senioren unterscheiden. Viagra ist nur der Anfang. Völlig neue Märkte für Produkte und Dienstleistungen können sich entwickeln.

Börsenkenner erwarten außerdem Auswirkungen auf die Börsenbewertung von Firmen an den Kapitalmärkten. Wenn die rüstigen Rentner von morgen ihr Aktienkapital verbrauchen, statt es weiter zu vermehren, könnte es zu massiven Umschichtungen kommen.

Einige Firmen haben bereits damit begonnen, innovative Lösungen zu suchen. Um das Wissen älterer Spezialisten zu sichern - oder um die Gesundheit der Mitarbeiter zu verbessern.

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© Harvard Business Manager 10/2005
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