Von Lothar Kuhn
Vitamin B ist alles, ohne Beziehungen geht im Geschäftsleben nichts. Diese uralte Erkenntnis musste irgendwann auch die Informationstechnikbranche entdecken. Gleich mehrere Softwareschmieden in den USA bringen derzeit Computerprogramme auf den Markt, welche die Kontakte der Mitarbeiter für ein Unternehmen nutzbar machen sollen. Das passende Modewort gibt es auch schon: Relationship Mining, zu Deutsch: Beziehungssuche.
Alle Anwendungen basieren auf der Erkenntnis des Sozialpsychologen Stanley Milgram aus dem Jahr 1967, dass jeder Mensch auf der Erde mit jedem anderen über nur fünf Kontaktpersonen verbunden ist. In den Jahrzehnten danach erlaubten die Fortschritte im Bereich der Rechnerleistung und der statistischen Analyse, soziale Beziehungen immer genauer zu analysieren und schließlich zu quantifizieren. Für den Durchbruch zur kommerziellen Nutzung sorgte dann die zunehmende Verbreitung von E-Mail, elektronischen Adressbüchern und Kalendern.
Solche Datenbanken werden zum Beispiel von Programmen der Firmen Visible Path aus New York oder Spoke Software aus Palo Alto durchsucht. Die Aufgabe lautet: Welcher Mitarbeiter hat wertvolle Kontakte außerhalb des Unternehmens, die ein Verkäufer nutzen kann, um einen potenziellen neuen Kunden anzusprechen, oder die einem Unternehmensberater helfen, einen Fachmann für ein Managementthema zu kontaktieren.
"Vitamin B ist alles, ohne Beziehungen geht im Geschäftsleben nichts."
Er kann dies tun oder - anonym - ablehnen.
Da Beziehungen etwas Wertvolles sind, wird nicht jeder bereitwillig sein persönliches Netzwerk öffnen. Die Entwickler von Visible Path haben auch dies berücksichtigt: Kommt es zu einem Geschäftsabschluss, erhält der Mittelsmann eine Provision. Das Konzept scheint aufzugehen. Die Pilotkunden von Visible Path, rund ein Dutzend, berichten, dass sich der Verkaufsprozess um immerhin gut ein Viertel verkürzt und die Zahl der Geschäftsabschlüsse sich um 10 Prozent erhöht habe.
Relationship Mining ist aber nicht nur auf die Geschäftswelt beschränkt. Der Online-Dienst Friendster aus San Francisco vermittelt auf ähnliche Weise private Kontakte; LinkedIn aus Mountain View, Kalifornien, bringt Arbeitgeber und Jobsuchende zusammen. Auch die CIA interessiert sich für die Technik: Sie will mit ihrer Hilfe terroristische Netzwerke aufspüren.
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