Von Cornelia Geißler
Beherrscht ein Unternehmen einen abgegrenzten Markt, verbinden Ökonomen diese Situation mit dem Begriff Monopol. Das klassische Beispiel ist das Briefmonopol der Deutschen Post
. Als einziger Anbieter eines bestimmten Produkts oder einer Dienstleistung kann der Monopolist einen höheren Preis verlangen als unter Wettbewerbsbedingungen - so lehrt es die Mikroökonomie.
Vor deutschen und europäischen Gerichten wurde jüngst die Nachfragemacht von gesetzlichen Krankenkassen auf dem Markt für Arzneimittel diskutiert. Wie viel die Krankenkassen für Medikamente bezahlen, wird in Form von Festpreisen von einem Gremium für alle Kassen einheitlich bestimmt. Diese Preise liegen nach Ansicht der Pharmaindustrie unter den Marktpreisen.
Aber auch in der Privatwirtschaft entstehen Monopson-ähnliche Strukturen. Viele Führungskräfte sehen kein Problem darin, dass sie die Preise der Zulieferer bis zur Schmerzgrenze drücken, um die Kosten reduzieren zu können. Das geschieht in der Praxis zum Beispiel im Handel, wo große Discounter hart mit örtlichen Produzenten verhandeln, für deren Produkte sie häufig der einzige Abnehmer sind. Die Folgen einer solchen Strategie sehen in der Tat auf den ersten Blick nicht dramatisch aus: Für den Endverbraucher bleiben die Preise niedrig oder sinken sogar.
Langfristig gesehen kann das Vorgehen aber gravierende Veränderungen bewirken. Erzielen die Zulieferer keine ausreichenden Margen mehr, verlieren sie den Anreiz, die Qualität ihrer Produkte zu kontrollieren oder ihre Waren überhaupt noch anzubieten. Bei komplexeren Produkten unterbleiben unter Umständen Bestrebungen, sich um Innovationen zu bemühen - zu Lasten des Endverbrauchers.
Das Monopson ist keine sehr stabile Marktform. Die Machtverhältnisse können sich schnell verschieben, wenn Anbieter ausscheiden oder von anderen Lieferanten aufgekauft werden. Zu beobachten ist das in der Automobilbranche, wo wenigen großen Konzernen wie DaimlerChrysler oder VW nach einer Konsolidierungswelle nur noch wenige große Zulieferer gegenüberstehen (Bosch, Delphi, Denso). Im extremsten Fall können ganze Stufen der Wertschöpfungskette wegfallen.
Die US-Ökonomen David Card und Alan B. Krüger haben die Monopson-Konstellation im Zusammenhang mit Mindestlöhnen in der Fastfood-Industrie untersucht. Große regionale Arbeitgeber könnten ihre Nachfrage nach Arbeitern drosseln, um die Löhne niedrig zu halten. So würden weniger Arbeitskräfte beschäftigt als in einem funktionierenden Wettbewerbsumfeld. Ein Mindestlohn, so die Theorie, könnte Abhilfe schaffen. Sei er hoch genug, habe eine höhere Nachfrage nicht sofort eine Lohnsteigerung zur Folge.
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