Kontinuitätsmanagement?

Was ist ...:

Von Michael Leitl
Heft 5/2006

In der Regel hat bei unkalkulierbaren Risiken der Zufall seine Finger im Spiel, und das Unheil nimmt mit scheinbar unbedeutenden Begebenheiten seinen Lauf: Eine Chemiefabrik produziert die Beschichtung eines millimetergroßen Bauteils falsch - und zigtausende Autos müssen Monate später in die Werkstatt. Ein übergroßer Koffer auf einem Gepäckband im Flughafen löst eine Sprinkleranlage aus, der Kunstregen zerstört ein Computerbauteil, und die interne Kommunikation im Flughafen ist über einen Tag lang gestört.

Zufälle lassen sich nicht planen. Üben und vorbereiten lässt sich dagegen die Fähigkeit, zu improvisieren und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Das so genannte Kontinuitätsmanagement (Business Continuity Management) erfüllt genau diesen Zweck.

Angesichts von Naturereignissen wie der Flutkatastrophe in Deutschland und Terroranschlägen wie in New York oder London wächst das Interesse an diesem Thema auch bei deutschen Managern. In den USA und in Großbritannien ist Business Continuity Management bereits etabliert. Seit 1994 gibt es das britische Business Continuity Institute (BCI), das inzwischen mehr als 2000 Mitglieder in 50 Ländern hat - darunter auch deutsche Unternehmen wie Siemens Chart zeigen. Für Interessierte bietet das BCI einen Leitfaden auf Deutsch an, die "Good Practice Guidelines für Business Continuity Management".

Diesen Richtlinien zufolge sollte ein Kontinuitätskonzept in fünf Schritten entwickelt werden: das eigene Geschäft verstehen, Strategien entwickeln, mögliche Reaktionsweisen erarbeiten, eine Kontinuitätskultur fördern und das eingerichtete System ständig erproben und verbessern.

Viel Raum nimmt dabei die Sicherheit der IT-Infrastruktur ein, da über Computer inzwischen die meisten Geschäftsfunktionen gesteuert werden. Für Christof Bentele, Chairman des Krisenmanagementbereichs beim Versicherungsmakler AON, ist folgende Frage entscheidend: "Wie lange kann ein Teil meines Unternehmens ausfallen, ohne die Existenz der gesamten Firma zu bedrohen?" Wer sämtliche Geschäftsprozesse und Abteilungen auf diese Weise überprüft, kann entsprechende Ausweichstrategien entwickeln.

Der Logistikkonzern Fedex beispielsweise beschäftigt eigene Meteorologen. Sie sollen vor Gefahren warnen, die den Flugbetrieb der Frachtmaschinen gefährden können. Falls irgendwo ein Sturm aufzieht, können eigens dafür zuständige Experten Ausweichpläne entwickeln.

Auch kleinere Firmen müssen sich mit Kontinuitätsmanagement befassen, da die Banken durch die Baseler Eigenkapitalstandards (Basel II) verstärkt darauf achten, dass sie Kontinuitätspläne erstellen. Dabei gilt wie bei vielen wichtigen Aufgaben: Die Kontinuität zu wahren ist Chefsache.

Weitere Informationen: Rolf von Rössing: Betriebliches Kontinuitätsmanagement, mitp-Verlag 2005, ISBN: 3-82661-459-3.

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© Harvard Business Manager 5/2006
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