Von Lothar Kuhn
Die Antwort auf diese Fragen lautet ganz salomonisch: Es kommt darauf an. Sportartikelhersteller wie Adidas
und Puma
produzieren fast nichts mehr in Deutschland. Die Einsparungen durch die Verlagerung der Turnschuhfertigung nach China oder Vietnam waren einfach zu groß. Andere Firmen wie der Automatisierungsexperte Bosch Rexroth stellen dagegen auch hierzulande noch neue Mitarbeiter in der Fertigung ein, obwohl sie gleichzeitig neue Werke in Osteuropa eröffnen.
Auf diese Weise sind zum Beispiel japanische Autohersteller wie Nissan
, Honda
und Toyota
bei ihrer Expansion nach Europa vorgegangen. Um direkt beim Kunden zu produzieren, aber auch um die noch vor einigen Jahren geltenden Importquoten für japanische Autos zu umgehen, eröffneten sie Werke meist in Ländern mit relativ niedrigen Löhnen (Spanien, Portugal, Osteuropa). Diese Fabriken kopierten dann die Fertigungsverfahren, die sich in den japanischen Leitwerken bewährt hatten; eigene Forschung und Entwicklung findet an diesen Standorten kaum statt.
Das Lead-Factory-Konzept lässt sich selbst auch wieder regional differenzieren. Aufzugshersteller wie Otis und ThyssenKrupp
haben etwa Leitwerke in verschiedenen Ländern. "In Spanien sitzt zum Beispiel die Lead Factory für die Aufzugstüren, in Deutschland die für Getriebe und in Italien die für Steuerungen", hat Professor Horst Wildemann, Produktions- und Logistikexperte der Technischen Universität München, beobachtet. Die Firmen nutzen so das an den jeweiligen Standorten vorhandene Wissen optimal und entlasten andere.
Über die Grenzen und Chancen des Konzepts Lead Factory wird gerade in der Wissenschaft verstärkt diskutiert. Beispielsweise startet Professor Thomas Friedli vom Institut für Technologiemanagement der Schweizer Universität St. Gallen derzeit eine Benchmarking-Studie, um zu ermitteln, wann die Einführung von Lead Factories für ein Unternehmen Sinn macht und wie ein entsprechendes Produktionsnetzwerk am besten gestaltet wird (Kontakt: thomas.friedli @unisg.ch).
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