Synergie?

Was ist ...:

Von Lothar Kuhn
Heft 10/2005

Umso größer ist die Enttäuschung, wenn diese sich anschließend nicht realisieren lassen. Denn dann ist klar: Das Geschäft war zu teuer. Leider ist das nicht die Ausnahme: In einer Bain-Studie, so Berater Geoffrey Cullinan und seine Koautoren, gaben rund zwei Drittel der befragten 250 Führungskräfte zu, die Synergien bei Übernahmen regelmäßig überschätzt zu haben (siehe Drum prüfe, wer sich ewig bindet).

Synergie: Zusammen wirken
Corbis

Synergie: Zusammen wirken

Dabei klingt es eigentlich gar nicht so schwer, Synergien zu heben. Zwei Unternehmen tun sich zusammen, um gemeinsam effizienter und wettbewerbsfähiger zu werden - so wie es der Bedeutung des Wortes Synergie entspricht. Der Begriff stammt aus dem Griechisch-Neulateinischen und bedeutet Zusammenarbeit respektive Zusammenwirken. Geprägt haben ihn Theologen, die damit das Zusammenwirken von Mensch und Gottes Willen beschrieben. Schnell hat das Wort eine holistische Bedeutung bekommen, im dem Sinne, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.

Maßgeblich ist dafür der US-amerikanische Architekt Richard Buckminster Fuller (geboren 1895, gestorben 1983) verantwortlich, der auch das Wort Synergieeffekt populär gemacht hat. Er ist durch die Entwicklung geodätischer Kuppeln bekannt geworden. Dabei handelt es sich um leichtgewichtige kugelförmige Konstruktionen, die extrem stabil sind und oft Radarstationen schützen oder die Hülle von Messepavillons bilden. Sie sind aus dreieckigen Elementen aufgebaut, die sich gegenseitig stabilisieren - ein Beispiel für einen Synergieeffekt. Buckminster Fuller beschäftigte sich viel mit Dingen wie Systemtheorie und Selbstorganisation, bei denen Synergien eine wichtige Rolle spielen, und verfasste einflussreiche Bücher zu diesen Themen (etwa "Synergistics").

Als in den 90er Jahren die Zahl der Fusionen und Übernahmen durch die Öffnung der Märkte weltweit zunahm, entdeckte auch das Management den Begriff und machte ihn zum Modewort. Schließlich hofft jeder Manager durch den Zusammenschluss zweier Firmen ein neues Unternehmen zu schaffen, das mehr leistet als die Summe beider Organisationen.

Schnell etablierte sich die Unterscheidung zwischen Kosten- und Umsatzsynergien. Im ersten Fall sinken die Ausgaben des neuen Unternehmens, weil es etwa Skaleneffekte im Einkauf erzielt, nur noch ein Rechenzentrum benötigt oder - im idealen Fall - Manager und Mitarbeiter die besten Geschäftspraktiken der jeweils anderen Seite übernehmen.

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