Wer Spitzenleistungen erzielen will, braucht Schlaf. Wie Sie Medikamente gut dosiert einsetzen und mit Müdigkeit am Steuer klarkommen.
Gefährlicher Mythos
Schlafverzicht wird in Unternehmen oft mit Vitalität und hoher Leistungskraft verwechselt. Ehrgeizige Manager haben 100 Stunden pro Woche zu arbeiten, müssen mit fünf bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht auskommen und acht Tassen Kaffee täglich trinken. Börsenmakler an der Wall Street legen sich um Mitternacht schlafen und stehen um 2.30 Uhr wieder auf, um die Eröffnung des Dax zu verfolgen. Handelsreisende fliegen nach Tokio, St. Louis, Miami und Zürich und wickeln ihre Geschäfte in einer von Jetlag und Kaffeekonsum gezeichneten Verfassung ab. Um über einen Deal zu verhandeln, setzen sich Manager nach einem kräftezehrenden Nachtflug in ein Mietauto, navigieren es durch eine fremde Stadt und nehmen dann an einem schwierigen M&A-Meeting teil, das um 8.00 Uhr beginnt.
Schlaf ist Macht
Wann Medikamente helfen
Viele rezeptpflichtige Schlafmittel sind in neurophysiologischer Hinsicht noch nicht optimal. "Sie arbeiten nach der Holzhammermethode, um bestimmte Rezeptoren im Gehirn zu blockieren", sagt Robert McCarley, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie an der Veterans' Administration of Massachusetts and Harvard Medical School. "Sie haben mehrere negative Nebenwirkungen, die von Bewusstseinsstörungen bis zur Gefahr der Abhängigkeit reichen. Außerdem lässt ihre Wirksamkeit im Laufe der Zeit tendenziell nach." Forscher versprechen sich von einer neue Generation von Schlafmitteln, dass diese die natürlichen Mechanismen im Körper besser berücksichtigen. Ein solches neues Medikament zielt auf die Melatonin-Rezeptoren im Gehirn ab. Inzwischen ist ein Wirkstoff (Modafinil) auf dem Markt, der nicht so viele Nebenwirkungen hat wie gängige Arzneimittel und der es Menschen ermöglicht, trotz sehr wenig Schlaf noch gute Leistungen zu vollbringen. Der Wirkstoff wurde ursprünglich zur Behandlung von Narkolepsie (eine Art chronischer Schlafzwang) eingesetzt. Heute halten sich Menschen damit wach, die es sich nicht leisten können zu schlafen - etwa Soldaten in Kriegsgebieten. Untersuchungen haben gezeigt, dass Versuchspersonen, die Modafinil eingenommen haben, selbst dann noch wach bleiben konnten, wenn sie innerhalb von 88 Stunden nur acht Stunden schliefen. Das klingt nach einem Wundermittel. Bisher weiß jedoch niemand, welche Nebenwirkungen das Medikament bei Dauereinnahme hat.
Müdigkeit am Steuer
Die Automobilindustrie wird in wenigen Jahren Fahrzeuge anbieten, die mit speziellen Geräten ausgestattet sind. Diese hindern müde Fahrer daran, am Steuer einzuschlafen. Im Jahr 2005 gaben Ford und Volvo bekannt, dass sie an einem Driver-Alert-System arbeiten, das aus einer Kamera besteht, die den Abstand zwischen dem Fahrzeug und den Fahrbahnmarkierungen misst. Wenn der Fahrer das Lenkrad ruckartig bewegt, ertönt ein Alarmsignal, und auf dem Display im Armaturenbrett erscheint eine Warnung. Die U. S. National Highway Traffic Safety Administration diskutiert derzeit über die Entwicklung von "intelligenten" Straßen, die mit speziellen Sensoren ausgestattet sind, welche ständig die Spur und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge verfolgen.
Schläfriger Nachwuchs
Unternehmen brauchen gut ausgebildete Mitarbeiter. Das Schulsystem fördert jedoch kein dem Schlafrhythmus gerechtes Lernen. An Schulen in den USA und in Deutschland beginnt der Unterricht in der Regel zwischen 7.20 Uhr und 8.00 Uhr. Das kann die neurologische Entwicklung und die Gesundheit von Heranwachsenden schädigen. Deren homöostatisches Schlafbedürfnis funktioniert anders als das von Erwachsenen. Bei den meisten Teenagern verzögert sich die Schlafphase, da das Melatonin erst um etwa 23 Uhr und somit eine Stunde später als bei der Mehrzahl der Erwachsenen ausgeschüttet wird. Schüler, die um Mitternacht einschlafen und um sechs Uhr aufstehen, leiden unter einem Schlafdefizit, das ihre Lernfähigkeit beeinträchtigt. Und es setzt sie einem Risiko im Straßenverkehr aus. In den USA arbeiten verschiedene Experten heute eng mit Schulbezirken, Gemeinden und Lehrern zusammen, um den Unterrichtsbeginn nach hinten zu verschieben.
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