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17.09.2009

Teamwork

Kollektive Kreativität bei Pixar

Von Ed Catmull

7. Teil: Anregung zur Meinungsäußerung

Frisches Blut

Erfolgreiche Unternehmen stehen vor zwei Herausforderungen, wenn sie neue Mitarbeiter einstellen, die die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Eine Herausforderung ist das bekannte "Not-Invented-here-Syndrom", die Nichtbeachtung bereits existierenden Wissens. Die andere - das "Awe-of-the-Institution-Syndrom" (eine Ehrfurcht vor dem System, mit der junge Mitarbeiter, die neu sind, oft zu kämpfen haben) - wird häufig übersehen.

KOMPAKT

Gute Ideen sind kein Zufall. Die seit vielen Jahren erfolgreichen Filmemacher bei Pixar setzen auf ein brillantes Team und auf fortlaufende Verbesserungen der Ur-Idee. Dabei stehen Gemeinschaft, Vertrauen und ständige Kritik im Vordergrund.

Das Team: Wichtigste Voraussetzung für ein gutes Produkt sind erstklassige Mitarbeiter. Nur sie können selbst mittelmäßige Ideen zu einem sehr guten Produkt weiterentwickeln. Damit hochkreative Leute effektiv kooperieren, sind Regeln unverzichtbar.

Die Regeln: Bei Pixar liegt die kreative Leitung nicht beim Management, sondern bei den Kreativen selbst. Sie halten ihr Qualitätsniveau durch verschiedene Beratungsteams, die bei Problemen eingreifen; mittels täglicher Feedbackrunden, in denen bereits die unfertigen Ideen verbessert werden, sowie durch eherne Grundsätze. Dazu gehören die Freiheit, den Dienstweg jederzeit ignorieren zu dürfen, und das Recht auf Kritik.

Da wir einen offenen Umgang miteinander pflegen, ist die erste Herausforderung für uns Gott sei Dank kein Problem. Durch unsere Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen erleichtern wir aber auch neuen Mitarbeitern den Einstieg und nehmen ihnen so die Angst. Viele Neuzugänge, die großen Einfluss auf unsere Entwicklung haben sollten (weil sie tolle Ideen hatten und weitere wertvolle Mitarbeiter gewinnen konnten), wurden sofort akzeptiert. Unter ihnen finden sich so herausragende Persönlichkeiten wie Brad Bird, der bei "Die Unglaublichen" und "Ratatouille" Regie führte, Jim Morris, jahrelang Chef von Industrial Light & Magic, bevor er bei Pixar einstieg und sich als Produzent von "Wall-E" und als Executive Vice President of Production einen Namen machte, sowie Richard Hollander, ehemals beim Special-Effects-Studio Rhythm & Hues in leitender Position tätig und heute bei Pixar für die Verbesserung der Produktionsprozesse verantwortlich.

Schwieriger ist es hingegen, junge neue Mitarbeiter zu ermutigen, offen ihre Meinung zu äußern. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, halte ich bei jeder Orientierungssitzung für neue Mitarbeiter eine kurze Rede, in der ich auf die Fehler der Vergangenheit und auf die daraus gewonnenen Erkenntnisse eingehe. Ich möchte den neuen Mitarbeitern klarmachen, dass wir beileibe nicht alles wissen und dass jeder aufgefordert ist, Dinge zu hinterfragen, von denen er nicht überzeugt ist. Wir möchten nicht den Eindruck vermitteln, dass alles, was wir tun, richtig ist, nur weil wir so erfolgreich sind.

Fazit

20 Jahre lang ließ mich der Traum, den ersten computeranimierten Spielfilm zu produzieren, nicht los. Als dieser Traum mit der Fertigstellung von "Toy Story" in Erfüllung ging, fühlte ich mich, offen gestanden, ein wenig verloren. Doch dann wurde mir klar, was eigentlich das Spannendste an meiner Arbeit war: dass ich dieses einzigartige Umfeld, das die Produktion dieses Films möglich gemacht hatte, mitgestaltet habe. Mein neues Ziel bestand darin, zusammen mit John ein Studio aufzubauen, das sich durch Detailversessenheit, Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, nach unangenehmen Wahrheiten zu suchen, auszeichnet. Diese Wahrheiten sind die Voraussetzung für das Zusammenwirken jener Kräfte, aus denen etwas Magisches entsteht. In den beiden Jahren nach der Fusion von Pixar und Disney hatten wir das Glück, dieses Ziel auf die Neubelebung der Disney-Zeichentrickstudios zu übertragen.

Mitzuerleben, wie die Grundsätze und Methoden von Pixar auch bei Disney funktionierten, war eine großartige Erfahrung. Ob John und ich unsere Ziele erreicht haben, wird sich jedoch erst zeigen, wenn Pixar und Disney auch dann noch Animationsfilme machen, die die Menschen in aller Welt bewegen, wenn wir beide und unsere Freunde, die Pixar mit uns gegründet und aufgebaut haben, schon längst nicht mehr da sind.

Kollektive Kreativität bei Pixar Teil 1

Bilderstrecke: Kinoknüller aus den Trickfilmstudios


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