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17.09.2009

Teamwork

Kollektive Kreativität bei Pixar

Von Ed Catmull

3. Teil: Experten untereinander

Ihren Ursprung hat die Gruppe der Kreativexperten in "Toy Story". In einer kritischen Phase während der Produktion dieses Films entwickelte sich zwischen John, Andrew, Lee und Joe eine besondere Beziehung. Da sie einander vertrauten, konnten sie sich auch bei äußerst leidenschaftlich und hitzig geführten Diskussionen stets sicher sein, dass es um die Geschichte des Films und nicht um Persönliches ging. Mit der Zeit stießen weitere Personen aus dem Unternehmen und von außen zu dieser Gruppe hinzu, und so entwickelte sich die Expertengruppe zu dem, was sie heute ist: eine Gemeinschaft herausragender Filmemacher, die zusammenkommen, wenn sie auf gegenseitige Hilfe angewiesen sind.

Die täglichen Besprechungen

Die Unglaublichen: Bei Pixar werden Konzepte neu erfunden statt recycelt. Das ist im Filmgeschäft nicht immer üblich.
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Die Unglaublichen: Bei Pixar werden Konzepte neu erfunden statt recycelt. Das ist im Filmgeschäft nicht immer üblich.

© Corbis
Das Prinzip der Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist ein wesentlicher Aspekt unserer Unternehmenskultur und beschränkt sich nicht auf Regisseure und Produzenten. Ein Beispiel dafür sind unsere täglichen Besprechungen ("Dailies"), durch die auf positive Art und Weise ein regelmäßiger Feedbackaustausch sichergestellt wird - nach dem Vorbild eines Verfahrens, das John bei Disney und Industrial Light & Magic (ILM), einer für Spezialeffekte zuständigen Tochterfirma von Lucasfilm, kennengelernt hat.

Bei Disney hatte sich nur eine kleine Gruppe von Führungskräften mit den Ergebnissen der täglichen Animationsarbeit beschäftigt. Dennis Muren, der legendäre VFX Supervisor von ILM, bezog sein komplettes Special-Effects-Team in diese Tätigkeit ein. (John, der nach seinem Ausstieg bei Disney meine Gruppe bei Lucasfilm verstärkte, nahm an den Besprechungen teil, als wir an den computeranimierten Effekten für "Das Geheimnis des verborgenen Tempels" arbeiteten.) Als wir Anfang der 90er das Animationsteam für "Toy Story" zusammenstellten, brachte John seine Erfahrungen aus seiner Zeit bei Disney und ILM in unsere täglichen Besprechungen ein. Die Mitarbeiter legen dem Animationsteam ihre unfertige Arbeit vor, und obwohl die Entscheidung letztlich beim Regisseur liegt, sind Beiträge aller Mitglieder erwünscht.

Dieses Verfahren hat mehrere Vorteile. Erstens: Haben die Leute ihre anfängliche Scheu vor der Präsentation unfertiger Arbeiten überwunden, sind sie nachher umso kreativer. Zweitens: Der Regisseur oder die kreativen Leiter können wichtige Aspekte im Beisein aller Crewmitglieder ansprechen. Drittens: Menschen lernen voneinander und inspirieren sich gegenseitig. Von einem kreativen Meisterwerk lassen sich alle anderen anstecken. Am Ende gibt es keine Überraschungen: Geschafft ist geschafft. Der dringende Wunsch der Mitarbeiter, dafür zu sorgen, dass die Arbeit wirklich gut ist, bevor sie sie anderen zeigen, führt wahrscheinlich dazu, dass das Endprodukt nicht den Vorstellungen des Regisseurs entspricht. Durch die täglichen Besprechungen werden derart verschwendete Stunden vermieden.


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