von Lew McCreary
Logan Roots lebt aus Datenschutzgründen abseits der modernen Datennetze. Im Fachmagazin "CSO" (Chief Security Officer), das sich an die obersten Sicherheitsverantwortlichen großer Unternehmen richtet, definierte Roots den Begriff Privatsphäre einmal als "die Freiheit, selektiv Informationen über sich preiszugeben". Er erzählte, wie kompliziert es ist, sich diese Freiheit tatsächlich zu bewahren, und wie er ganz bewusst die Mechanismen austrickst, die darauf ausgelegt sind, jede noch so kleine Information einzufangen, die die meisten von uns regelmäßig preisgeben.
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"Ich bezahle bar, und bei so vielen Gütern und Dienstleistungen wie möglich verwende ich falsche Namen", sagte Roots 2003 gegenüber "CSO". "Ich gehöre sogar zu einer Gruppe von Menschen, die Kundenkarten (von Supermärkten) untereinander austauschen ... In den vergangenen paar Monaten habe ich die Karte einer Person verwendet, die vor zwei Jahren gestorben ist. Ich bin fast ein wenig traurig, dass ich schon wieder eine neue nehmen muss. Diese Geschichte mit dem toten Karteninhaber finde ich klasse."
Die meisten Antworten auf die Frage "Was ist Privatsphäre?" setzen bei der einzelnen Person an (in der Regel bei einer lebenden). In gewisser Weise ist Privatsphäre eine Form der Selbstbeherrschung: Kontrolle über die eigenen persönlichen Daten und Informationen, von Zahlenreihen bis hin zu Geschmäckern und Vorlieben. Ob wir an irgendwelchen Krankheiten leiden und wie viel wir auf dem Bankkonto haben, geht niemand anderen etwas an, es sei denn, wir reden freiwillig darüber. In diesem Punkt sind sich alle einig. Doch für Roots ist Privatsphäre noch mehr. Seine Definition umfasst alles, was wir über uns selbst wissen und kontrollieren möchten.
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Da unsere digitale Existenz aber ununterbrochen erfasst wird - von der Google-Suche über E-Mails oder Einkäufe bis hin zu unseren Pfaden im Internet, die von Cookies (kleinen Dateien, die beim Betrachten von WebSeiten auf dem Rechner gespeichert werden) aufgezeichnet werden - gestaltet sich diese Kontrolle auf Dauer immer schwieriger. Aus all diesen Datenschnipseln über unser Verhalten lässt sich ein Bild zusammenbasteln, das ausdrücken soll, was wir wollen oder brauchen (bewusst oder unbewusst), was wir vermutlich akzeptieren werden und was nicht, und was wir möglicherweise kaufen oder unternehmen werden - heute und auch in Zukunft.
Datenschutz und Datennutzung sind ein ewiges Spannungsfeld. Mit Gesetzen lässt sich ein zufriedenstellender oder vernünftiger Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen und den Datenschutzansprüchen der Kunden wohl kaum erzielen. Neue Technologien, die allzu sorglos angenommen oder zu opportunistisch eingesetzt werden, bedrohen auch weiterhin die Privatsphäre. Die Verantwortlichen in den Unternehmen müssen sich dieser Bedenken annehmen. Wenn sie weiter untätig zusehen und unterschätzen, welch hohen Stellenwert die Privatsphäre für die Kunden hat, drohen ihnen unter Umständen strenge behördliche Auflagen. Die beste Lösung für Unternehmen und Kunden liegt in einem offenen und direkten Austausch darüber, wo Grenzen gezogen werden müssen.
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