Principal-Agent-Theorie?

Was ist ...:

Von Lothar Kuhn
Heft 8/2008

Adam Smith, der Begründer der Volkswirtschaftslehre, erkannte schon im 18. Jahrhundert: Angestellte Manager werden auf das ihnen anvertraute Kapital nicht so sorgfältig achten wie Unternehmer auf ihr eigenes Geld. 1976, rund 200 Jahre danach, hat der spätere Harvard-Professor Michael Jensen gemeinsam mit William Meckling eine Theorie entwickelt, um den Interessenkonflikt zwischen einem Principal (deutsch: Auftraggeber) und einem Agent (Auftragnehmer) zu beschreiben. Der Principal kann sich nie sicher sein, dass der Agent einen Auftrag zu seiner völligen Zufriedenheit ausführt, da dieser eigene Interessen hat.

  Richtungsstreit:  Unterschiedliche Interessen können zwischen Principal und Agent zu Konflikten führen
Corbis

Richtungsstreit: Unterschiedliche Interessen können zwischen Principal und Agent zu Konflikten führen

Um vor allem Topmanager dazu zu bewegen, im Interesse der Aktionäre zu handeln, empfahl Jensen 1990, die Entlohnung der CEOs stärker vom Aktienkurs abhängig zu machen. Er klagte, Firmenchefs würden wie Beamte bezahlt und handelten entsprechend - konservativ statt unternehmerisch. Er lieferte damit die theoretische Rechtfertigung für Stock-Options-Programme, die seitdem zu einer enormen Steigerung der Managergehälter geführt haben.

Die beiden Züricher Ökonomen Margit Osterloh und Bruno S. Frey kritisieren daher, die Anhänger der Principal-Agent-Theorie hätten die Möglichkeiten der Manager unterschätzt, Kurse zu manipulieren, um ihr Gehalt nach oben zu treiben. Ihr Gegenvorschlag: die meist vorhandene intrinsische Motivation von Führungskräften zu stärken, im Unternehmensinteresse zu handeln. Manager, so die Forscher, sollten nicht erfolgsabhängig, sondern wie "Beamte bezahlt werden".

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© Harvard Business Manager 8/2008
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