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Heft 3/2008: Schwerpunkt Personal | 26.07.2010

Erfolg

Die Macht von Geschichten

Von Peter Guber

3. Teil: Lernen von Schamanen

Führungskräfte als Geschichtenerzähler

Im Rahmen meiner beständigen Erforschung dieser Geheimnisse gelang es mir kürzlich, eine bunt gemischte Gruppe von Führungskräften und Experten im Geschichtenerzählen aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Unterhaltung dazu zu überreden, ihre Erkenntnisse über das Geschichtenerzählen bei einem Essen auszutauschen. An einem schönen Frühlingsabend trafen wir uns in meinem Haus in Los Angeles.

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Inhalt
Bei einem Festmahl, das auf einem großen, niedrigen Tisch angerichtet war, unter uns die glitzernden Lichter der Stadt auf den Hügeln, badeten wir in einem Wasserfall von Ideen. Nicht nur der Wein floss reichlich, sondern auch die Witze, Anekdoten und Beobachtungen, die sich aus der versammelten Lebenserfahrung von mehreren Jahrzehnten ergaben. Und so verschieden der Hintergrund eines jeden von uns auch war, wir kamen immer wieder auf ein ganz bestimmtes Thema zurück: die zentrale Bedeutung der Wahrhaftigkeit als Attribut sowohl einer eindrucksvollen Geschichte als auch eines wirkungsvollen Geschichtenerzählers.

Bevor ich weiter ins Detail gehe, möchte ich gern mit den falschen Vorstellungen so mancher Geschäftsleute über das Geschichtenerzählen aufräumen.

Erstens denken viele, dass es ausschließlich um Unterhaltung geht. Doch das Erzählen einer Geschichte, die die Zuhörer nicht nur erfreuen, sondern die darüber hinaus auch Einsichten vermitteln und Orientierung geben soll, zieht sich als Konstante durch die Kultur der Menschheit. Das können wir Tausende von Jahren bis zu den Tagen der Schamanen am Stammesfeuer zurückverfolgen. Die Aufgabe des Schamanen war es, die mündlich überlieferte Geschichte des Stammes aufzuzeichnen. In den Geschichten über die großen Helden, über ihre Triumphe und Tragödien, verschlüsselte der Schamane die Überzeugungen, Werte und Regeln der Gemeinschaft. In die Geschichten waren Lektionen eingeflochten, die notwendig waren, um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern: "Wir gehen nicht mehr im großen Wald jagen - nicht seit jenem schrecklichen Tag, als drei unserer tapfersten Männer von unbekannten Bestien getötet wurden. Und das geschah so ..."

Heute noch hat das Geschichtenerzählen eine ähnliche Funktion. Es ist ein ungemein wirkungsvolles Hilfsmittel, mit dem sich erstaunliche Resultate erzielen lassen. Für eine Führungskraft ist das Geschichtenerzählen handlungsorientiert, also ein Mittel, um Träume in Ziele und anschließend in konkrete Ergebnisse zu verwandeln.

Zweitens sind viele der Ansicht, dass das Erzählen von Geschichten gewissermaßen im Widerspruch zu der Forderung nach Authentizität steht. Nach dieser Einschätzung ist ein großer Geschichtenerzähler jemand, der Seemannsgarn spinnt, das zwar amüsant ist, jedoch mit der Wahrheit nichts zu tun hat. Diese Vorstellung wird durch das Image von Hollywood als "Tinseltown" ("Glitzerstadt") noch bekräftigt - "Tinseltown" als eine Welt der Fantasie, in der alles möglich ist, in der wir der Wirklichkeit entfliehen können oder sogar in diesem Sinne manipuliert werden. Doch kunstvolles Geschichtenerzählen steht nicht im Widerspruch zur Wahrheit. In der Wirtschaft und auch anderswo beruht wirkungsvolles Erzählen stets auf der Integrität der Geschichte und des Erzählers. Aus diesem Grund stand bei unserem kleinen Symposium die Wahrheit als Prüfstein einer guten Geschichte so sehr im Vordergrund.

Aus den Lehren und Ideen, die bei unserem Konklave zusammengekommen sind, habe ich vier Arten von Wahrheit herausgefiltert, die eine wirkungsvolle Geschichte ausmachen.


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