Sind Skaleneffekte ein Mythos?

Wachstum:

Heft 3/2019
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Jeder BWL-Student lernt im ersten Semester: Wenn die produzierte Menge steigt, sinken die Kosten pro Einheit. Der Grund: Fixkosten und Gemeinkosten können auf eine größere Zahl von Einheiten aufgeteilt werden - ein Phänomen, das man Skaleneffekte nennt. Unzählige Businesspläne und Investitionsvorschläge hängen von dieser Annahme ab - und von der logischen Konsequenz, dass die Gewinnspanne bei höheren Umsätzen größer ist.

Aber sind diese Annahmen womöglich nur ein Mythos des Rechnungswesens? Eine neue Studie deutet tatsächlich darauf hin. Dafür untersuchten drei US-Finanzprofessoren vier große Datensätze mit Tausenden Unternehmen weltweit. Ihr Ziel: zu verstehen, wie sich Kosten-Umsatz-Relation und Gewinnspanne verändern, wenn Unternehmen wachsen.

Sie fanden heraus, dass Kosten und Gewinne in engem Zusammenhang mit wachsendem Umsatz anstiegen - aber ohne die marginalen Verbesserungen, die die Skaleneffekttheorie verspricht. Diese Beobachtung machten die Forscher in allen Branchen und sogar bei Start-ups mit sehr schnellem Wachstum.

Sie haben verschiedene Erklärungen dafür, darunter Agency-Kosten, Ressourcenengpässe und zunehmender Wettbewerb in gesättigten Märkten. "Prognosen, die grundsätzlich von sinkenden Stückkosten ausgehen, sind vermutlich zu optimistisch", schreiben die Wissenschaftler. "Alle hochgerechneten Skaleneffekte müssen sorgfältig geprüft werden, damit wir sichergehen können, dass sie sinnvoll sind und auf Erfahrungswerten beruhen. Das gilt insbesondere, wenn sie auf kurzfristigen Grenzkosten beruhen."

Quelle: Aytekin Ertan et al.: "The Long-Run Average Cost Puzzle", Working Paper, Mai 2018

Ausgabe 3/2019


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