Lokal, digital - oder beides?

Heft 12/2018
Niklas Birner für Harvard Business Manager

3. Teil: Was der Kunde nicht kennt ...

Die Diskussion drehte sich im Kreis, und die Gegner eines digitalen Kaufhauses wurden immer zahlreicher. Wilhelm Karrer vertagte die Sitzung der Händlergemeinschaft. Es musste doch irgendwie möglich sein, ein gemeinsames digitales Projekt zu stemmen!

In den folgenden Tagen beauftragte der Kaufhausmanager ein Institut damit, Kunden in der Innenstadt von Heide und in Onlinenetzwerken zu befragen. Doch das Ergebnis war erneut ernüchternd: Die Auswertung der Antworten von über 400 Befragten machte deutlich, dass die Teilnehmer durchaus online-affin waren und ein Drittel bereits seltener in die Innenstadt kam. An einer möglichen gemeinsamen Internetplattform der Händler zeigten die Befragten allerdings kein ausgeprägtes Interesse; fast alle Teilnehmer nutzten bereits regelmäßig die großen Such- und Handelsplattformen.

"Es muss doch etwas geben, was die Leute anzieht!", entwich es Karrer, als er die Ergebnisse auf seinem Smartphone beim zweiten Frühstück mit seiner Kollegin und stellvertretenden Geschäftsführerin Amanda Scherzen im Kaufhausrestaurant las. Sie äußerte die Vermutung, dass Kunden sich ein digitales Kaufhaus nicht vorstellen konnten, "weil sie es nicht kennen".

"Die Kunden kannten früher auch keine Outlets und rennen heute in Scharen hin", entgegnete Karrer seiner Kollegin. "Die Kundschaft hat sich stark verändert", dozierte er, "es gibt immer weniger Menschen, die man früher der Mittelschicht zugeordnet hat. Und immer mehr Kunden mit Migrationshintergrund, deren Kaufverhalten einfach anders ist, viel preissensibler. Das Gleiche gilt für die vielen Rentner. Da sitzt das Geld dann auch nicht mehr locker."

"Dann brauchen wir eben eine einfache und günstige Lösung - egal ob digital oder lokal", bemerkte Amanda Scherzen trocken und trank den letzten Schluck Kaffee. "Nur allzu viel Zeit sollten wir uns nicht dafür nehmen - der Wirtschaftsrat will ziemlich bald eine Antwort darauf, warum wir seinen Vorschlag bisher noch nicht aufgegriffen haben."

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