"Kurs ändern, bevor die Party vorbei ist"

Heft 12/2018
Keith Morris

2. Teil: Monopole überdauern nicht

Im Zeitalter der Internetplattformen scheint Ihre Logik nicht zu gelten. Google und Facebook sind Monopolisten, unangreifbar, sie brauchen ihren Kurs nicht zu ändern.

Handy: Das wird nicht so bleiben. Monopole überdauern nicht. Sie werden aufgebrochen. Facebook ist zum Scheitern verurteilt, weil es zu weit gegangen ist, und wird in vielleicht fünf Jahren verschwunden sein. Google wird aufgespalten werden.

Durch den Gesetzgeber?

Handy: Ja. Sie können keine großen Monopole erlauben. Die Gesetzgebung ist zu langsam, weil sich die Technologie so schnell entwickelt. Aber Google ist viel zu mächtig geworden.

Könnte das Wettbewerbern aus China die Chance geben, diesen Markt zu übernehmen? Wenn Google und WhatsApp verschwinden, könnten die chinesischen Pendants Baidu und WeChat in die Lücke stoßen. Die Behörden der Volksrepublik hätten wohl nichts dagegen, dass ihre Unternehmen zu Monopolisten auf dem Weltmarkt aufsteigen.

Handy: Warum nicht?

Weil China über diese Unternehmen seinen Einfluss in der Welt ausbauen kann.

Handy: Das könnte stimmen. Ich aber glaube eher, dass die Behörden irgendwann eingreifen werden, weil sie nicht möchten, dass eine Organisation größer ist als die Regierung. Womit Sie sicher recht haben, ist, dass chinesische Unternehmen in den nächsten zehn Jahren die Führung in der Welt übernehmen werden. Das sind alarmierende Aussichten. China entwickelt ein Reich - nicht mit militärischer Gewalt, sondern durch wirtschaftliche Expansion. In Südostasien und in Afrika werden alle Straßen durch chinesische Unternehmen gebaut. Die "One Belt, One Road"-Initiative verbindet die ganze Region bis Mitteleuropa ökonomisch. Die Chinesen sind sehr ehrgeizig. Das amerikanische Jahrhundert ist zu Ende, das chinesische beginnt.

Wo bleiben da die deutschen Unternehmen? Sind sie gut darin, rechtzeitig auf die zweite Kurve umzuschwenken?

Handy: Ich bin kein Experte, aber Unternehmen wie Volkswagen und BMW sollten sich definitiv ändern. Diese Unternehmen sind zu erfolgreich geworden und haben Dinge wie die Qualitätskontrolle aus den Augen verloren. Wir sehen die Risse, die entstanden sind. Das sind die Zeichen, dass es Zeit für einen Wandel ist. Wenn man sich dann nicht ändert, geht es bergab. Ich kann Volkswagen keinen strategischen Ratschlag geben, aber die Manager müssen vorsichtig sein und nicht weiter das Gleiche tun wie bisher.

Sie haben einmal erwähnt, dass das Mitbestimmungsgesetz eine Stärke Deutschlands sei. Die Arbeitnehmer dürfen im Aufsichtsrat mitbestimmen. Damit ist eine Kernforderung Ihrer Idee der "Citizen Organisation" erfüllt. Sollten Unternehmen außerhalb Deutschlands diesem Beispiel folgen?

Handy: Ja, das sollten sie. Das deutsche Modell funktioniert sicher nicht immer. Ich vermute, einige Vertreter der Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsräten werden dazu verführt, zu sehr ans Geschäft zu denken statt an die Interessen der Arbeitnehmer. Aber es scheint meiner Idee der "Citizen Organisation" am nächsten zu kommen. Ich will aber, dass die Mitarbeiter selbst zu wichtigen Themen wie Strategie oder Übernahmen befragt werden, nicht nur der Aufsichtsrat.

Das vollständige Interview mit Charles Handy finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Ausgabe 12/2018


Neugier

Wie Manager und Mitarbeiter innovativer werden

Zum Autor
  • Copyright:
    Ingmar Höhmann ist leitender Redakteur des Harvard Business Managers.
Seite
1
2
Artikel
© Harvard Business Manager 12/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Die neuesten Blogs
Nach oben