Vom Fünferschüler zum Investor

Buchtipp:

Von Britta Domke
Heft 10/2018

Den allerersten Computer hatte der Opa der Familie geschenkt. Der halbwüchsige Frank Thelen las das Handbuch in einem Rutsch durch - das zweite Buch überhaupt in seinem Leben - und fühlte sich bald so sicher, dass er glaubte, die teure Maschine zu beherrschen. Bis er versehentlich die Festplatte formatierte. Ein Schock. Doch er bügelte seinen Fehler eigenhändig aus; zwei Wochen später lief der Familien-PC besser als zuvor.

Anekdoten wie diese finden sich zahlreich in der Autobiografie des Unternehmers und "Höhle der Löwen"-Jurors, die Thelen jetzt im zarten Alter von knapp 43 Jahren veröffentlicht hat. Wie aus dem uncoolen Fünferschüler, Skateboarder und Computergeek der bekannteste Techinvestor Deutschlands wurde, ist eine archetypische From-Rags-to-Riches-Geschichte, wie sie gern in der Gründerwelt erzählt wird.

Der Nullpunkt (oder "Die Katastrophe", wie Thelen das Kapitel nennt): Die Pleite seines dritten Unternehmens Twisd in der Dotcom-Krise, für das er sich in eine private Bürgschaft hatte hineinquatschen lassen. Mit 25 zog er zu seinen Eltern zurück und schloss sich für sechs Wochen im Kinderzimmer ein. Game over? Nicht für Thelen. Heute investiert er seine Millionen in andere Start-ups, unterstützt etwa das spektakuläre Elektroflugtaxi Lilium.

Und weil Thelen nicht nur große Visionen, sondern auch Sendungsbewusstsein hat, versucht er im letzten Buchdrittel Nichtgeeks die Welt der disruptiven Innovationen, der künstlichen Intelligenz und all der anderen Zukunftstechnologien zu erklären. Das hat mit einer Autobiografie nicht mehr viel zu tun. Aber es zeigt, was die "Startup-DNA" von Menschen wie Frank Thelen ausmacht: der Blick nach vorn, in eine aufregende Zukunft.

Buchtipp

Frank Thelen

Startup-DNA


Murmann Publishers 2018, 288 Seiten, 22 Euro

Britta Domke
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    Britta Domke ist leitende Redakteurin des Harvard Business Managers.
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