Was tun, wenn es grad nichts zu tun gibt?

Produktivität:

Heft 7/2018
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Die meisten Fach- und Führungskräfte klagen über zu viel Arbeit. Doch neuere Forschungen in hoch qualifizierten Berufen weisen auf ein ganz anderes Problem hin. So gaben in einer Studie 78 Prozent der Beschäftigten an, mindestens einmal pro Woche Leerlauf zu haben, weil sie auf die nächste Aufgabe warten müssen - etwa weil sie als Servicemitarbeiter einen bestimmten Anruf erwarten. 22 Prozent der Befragten erleben diese Situation sogar täglich. Für Manager ist das ein Problem, nicht nur weil sie ihre Mitarbeiter zeitweilig fürs Nichtstun bezahlen. Denn um Leerlauf zu vermeiden, arbeiten diese langsamer, als sie könnten.

Für ihre Studien baten die Managementprofessoren Andrew Brodsky und Teresa M. Amabile ihre Probanden, etwas abzutippen. Diese hatten sehr viel mehr Zeit zur Verfügung, als sie brauchten, doch als sie fertig waren, mussten sie untätig herumsitzen. Sobald den Versuchsteilnehmern klar wurde, dass sie nach Beendigung der Aufgabe Leerlauf haben würden, drosselten sie ihr Arbeitstempo. Forscher nennen dies den "Dead Time Effect". Er ist das Gegenteil des bekannten Deadline-Effekts, nach dem Menschen ihr Arbeitstempo erhöhen, je näher die Abgabefrist rückt. In Folgeexperimenten zeigten die Wissenschaftler jedoch, dass sich die absichtliche Trödelei verhindern lässt. Führungskräfte müssten dafür die Normen ändern, welches Verhalten während der Wartezeit erlaubt ist, beispielsweise im Internet zu surfen. "Vermutlich sind sich Manager gar nicht bewusst, wie groß der Leerlauf bei ihren Mitarbeitern ist, denn in deren Interesse liegt es, das wahre Ausmaß zu verschleiern", schreiben die Wissenschaftler. "Im Idealfall ziehen unsere Forschungen mehr Aufmerksamkeit auf das Thema, sodass neue Lösungen entstehen."

Quelle: Andrew Brodsky, Teresa M. Amabile: "The Downside of Downtime: The Prevalence and Work Pacing Consequences of Idle Time at Work", Journal of Applied Psychology, Mai 2018


Diesen und weitere Artikel zu aktuellen Studien und Trends finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.


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