"Das ist nicht lustig"

Fallstudie:

Von Dianne Bevelander, Jacqueline Nolan und Michael Page
Heft 7/2018
Oscar Bolton Green für Harvard Business Manager
Fallstudie
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    Im Jahr 1920 führte die Harvard Business School die Case-Study-Methode ein. Dabei beschäftigen sich die Studenten mit konkreten Problemen aus dem Alltag von Unternehmen. Fallstudien gehören heute weltweit zum Standard in der Managerausbildung. In jedem Heft präsentieren wir unseren Lesern einen fiktionalisierten Fall und Lösungsvorschläge von Experten.

"Ach du meine Güte, was für ein kleines Persönchen! So was Winziges ist mir ja noch nie begegnet. Hallo, Pünkchten."

Das waren die ersten Worte, die Jack Matthews an Sema Isaura-Mans richtete. Sie arbeitete als Leiterin des Rechnungswesens bei der niederländisch-britischen Finanzberatung Dirksen-Hall und war vor Kurzem aus der Filiale in Ankara in die Zentrale in Amsterdam gewechselt. Matthews war Executive Vice President für Sonderprojekte und ihr neuer Chef. Auch er hatte gerade einen Umzug hinter sich, aus Manchester, wo er als Vice President für den Vertrieb zuständig gewesen war.

Ihre erste Begegnung fand bei einem Kick-off-Meeting für ein Großprojekt statt, an dem sie gemeinsam arbeiten sollten. Sema Isaura-Mans war über die Bemerkung ihres Vorgesetzten dermaßen schockiert, dass es ihr fast die Sprache verschlug. Obwohl sie nur 1,50 Meter groß war und keine 45 Kilo wog, hatte sie noch nie einen Gedanken daran verschwendet, wie sie mit ihrer zierlichen Figur wohl auf andere Mitarbeiter wirken mochte.

Ein paar Sekunden lang saß sie stumm da, während Jack Matthews und die übrigen Teamkollegen am Besprechungstisch amüsiert glucksten. Doch dann schaute sie dem fast zwei Meter großen, korpulenten Engländer fest in die Augen und sagte, ohne groß nachzudenken: "Hallo, Doppelpunkt." Nun lachten die Kollegen noch lauter.

Ein ausgewähltes Team

"Sie hat Humor. Hervorragend!", rief Matthews und klatschte in seine riesigen Hände. "Ich freue mich sehr, Sie in unserem Team zu haben, Sema. Ich habe nur Gutes über Sie gehört!"

Er ging ans Kopfende des Tisches und bat alle anderen im Raum, sich vorzustellen. Dann beschrieb er in kurzen Worten die Aufgabe, die auf das Projektteam zukam: Sie sollten eine gemeinsame Plattform für die verschiedenen Computer- und Netzsysteme im Backoffice und für Kundenkontakte schaffen, die von den internationalen Filialen der Firma genutzt wurden. Das Projekt sollte nicht nur den Kundenservice weltweit verbessern; Dirksen-Hall würde dadurch auch sein unternehmerisches Risiko besser managen können. Von dem Projekt mit dem Decknamen "Samen" (dem niederländischen Wort für "zusammen") sollten rund 600 Mitarbeiter aus 40 Filialen in insgesamt 28 Ländern profitieren. Es war ein gigantisches Unterfangen. Doch alle Mitarbeiter des Teams, sagte Matthews und blickte vielsagend in die Runde, seien sorgfältig ausgewählt worden und genössen das absolute Vertrauen der Unternehmensleitung. Als er seine Ansprache beendet hatte, war allen Anwesenden klar, warum dieser Mann zum Projektleiter ernannt worden war, und auch Sema Isaura-Mans war begeistert.

Sie hatte den Auftakt der Besprechung fast schon wieder vergessen, doch als sie den Konferenzraum verließ, rief Jack Matthews ihr zu: "Können wir beide uns morgen einmal zusammensetzen, um ein paar Dinge zu besprechen? Ich schicke Ihnen eine Nachricht wegen des Termins. Tschüss, Pünktchen!"


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