Theater im Office

Heft 1/2018
Nils Fliegner für Harvard Business Manager

6. Teil: Experte: Frank S. Jorga

"Veränderungen par ordre du mufti haben noch keinen Angestellten motiviert."

Ich kann sehr gut verstehen, dass die Mitarbeiter auf die Barrikaden gehen. Die ignorante Vorgehensweise der Unternehmensführung hat dieses Verhalten provoziert. Inhaltlich gesehen halte ich die vorgeschlagene Lösung jedoch für durchaus tauglich. Ich selbst habe als CEO keinen festen Arbeitsplatz mehr. Allerdings hätte alles gemeinsam mit den Angestellten entwickelt werden müssen, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Schließlich handelt es sich um ihren Arbeitsplatz, an dem sie mehr Zeit verbringen als irgendwo sonst. Das ist ein besonders sensibler Bereich.

Es ist eine Grundregel im Arbeitsprozess - und das gilt vor allem bei wesentlichen Veränderungen -, dass man die Dinge mit den Betroffenen abstimmt. Dies wurde hier sträflich vernachlässigt, nicht einmal Schlüsselpersonen wurden einbezogen - kein Wunder, dass die Mitarbeiter opponieren. Auf diese Weise hätte man ihre Bereitschaft für den Wandel erhöht, gleichzeitig ihre Vorschläge und Bedürfnisse berücksichtigt und so das Konzept am Ende besser gemacht. Anregungen und kluge Ideen kommen vom Personal, genau dafür wird es unter anderem auch bezahlt. Dieses Potenzial muss man nutzen.

So handhabe ich es auch bei WebID. Wann immer entscheidende Change-Prozesse anstehen, kläre ich dies mit den Führungskräften und Multiplikatoren. Sie geben dann ihren wertvollen Input und wissen auch, wie die Mitarbeiter reagieren. Ich würde jedoch keine Generalversammlung einberufen, denn ein privates Unternehmen ist keine Kommune. Am Ende zählt aber, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen, sie mitgenommen werden und vor allem motiviert sind - für Höchstleistungen. Darum geht es, denn der Erfolg am Markt ist zwingende Voraussetzung für ein gesundes Unternehmen und sein Überleben.

Die Welt ändert sich täglich und mit ihr die Technologien und Märkte. Eine Organisation, die auf der Stelle tritt, läuft Gefahr, dass sie übermorgen nicht mehr existiert. Das hätte ich den Führungskräften Fassberger und Ehrlich von Anfang an vermittelt; ihre Aufgabe wäre es gewesen, für ihren Bereich die Lage zu sondieren und Lösungen vorzuschlagen. Die Reaktionen der Belegschaft hätte ich mit einem kleinen Kreis von Meinungsführern diskutiert.

Veränderungen par ordre du mufti haben noch keinen Angestellten motiviert. Partizipation - systematisch und authentisch - ist die bessere Alternative. Dies muss allerdings vom CEO gelebt werden.

Bereits seit vielen Jahren bin ich in nationale und internationale Digitalprojekte und Strategien eingebunden, leite diese und gehe bei allen Neuerungen voran. Viele Projekte manage ich orts- und zeitunabhängig mit meinem Team. So bin ich trotz meiner vielen Reisen für alle sichtbar und greifbar.

Natürlich ist es auch Aufgabe des Managements, Optimierungen und zukunftsweisende Veränderungen anzustoßen, besonders wenn es um Organisationskonzepte geht. Sie sollten aber gemeinsam verändert und verfeinert werden. Denn am Ende müssen sie funktionieren. Dies zu diskutieren bedeutet natürlich einen gewissen Aufwand. Doch wenn Mitarbeiter sich sperren oder gar innerlich kündigen, sind die Kosten wesentlich höher. Angestellte sind keine Befehlsempfänger, sondern erwarten kollegiale Umgangsformen auf allen Ebenen. Das ist unternehmerisch sinnvoll, schließlich haben wir in Deutschland die besten Talente. Wer unzufrieden ist, ist schnell weg - trotz Kreativzonen und bunter Bälle.

Frank S. Jorga ist Co-CEO der WebID-Solutions-Gruppe, die sich seit der Gründung 2012 von einem Fintech-Start-up zu einem international agierenden Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern entwickelt hat. WebID bietet moderne und rechtssichere Personenidentifikation per Video an.


Glücklich im Job


Wie Sie die Freude am Beruf wiederentdecken und Ihrer Arbeit Sinn verleihen


Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 1/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH

Kein Zen im Kleiderschrank


...und andere Glossen aus dem Harvard Business Manager

Nach oben