Lassen sich Familie und Karriere vereinbaren?

Balance:

Von Solveigh Hieronimus
21. Dezember 2017
Daniel Stolle für Harvard Business Manager

Diese Frage höre ich immer wieder. Und sie ist für gut ausgebildete Frauen, die in der Regel mindestens 20 Jahre ihres Lebens in eine Ausbildung investiert haben, schlicht und ergreifend nicht mehr zeitgemäß. Denn sie unterstellt von vornherein, dass eine Vereinbarkeit problematisch ist oder Karriere für das Kind etwas tendenziell Negatives oder Nachteiliges bedeutet.

Das Narrativ in der Diskussion über berufstätige Frauen und Mütter muss sich verändern - in der Berufswelt, aber vor allem auch in unseren eigenen Köpfen. In der Öffentlichkeit würde sich heute niemand mehr gegen Frauen an der Spitze aussprechen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele namhafte Führungskräfte engagieren sich für mehr Frauen in Führungspositionen (wie zum Beispiel in der Initiative "Chefsache"), um das Thema mit Breitenwirkung zu befördern. Dennoch zeigen zahlreiche Studien weiterhin, dass in der Debatte über die Aufstiegsmöglichkeiten von Frauen immer noch zu viele Männer - und auch Frauen - "biased" sind. Das heißt, sie zeigen sich mal mehr, mal weniger unbewusst voreingenommen und damit skeptisch, was weibliche Karrieren angeht.

Wirkliche Veränderungen und damit mehr berufstätige Frauen - besonders in Führungspositionen - wird es nur geben, wenn wir ein neues Narrativ haben: Die Teilhabe von Frauen in der Arbeitswelt ist kein Gefallen, den man ihnen tut, sondern ein ökonomischer Imperativ. Sie machen die Hälfte der Gesellschaft aus und sogar mehr als die Hälfte unserer besten Absolventen. Diesen Anteil sollten Frauen auch am Arbeitsmarkt und in Führungspositionen repräsentieren. Dabei geht es nicht nur um das Thema Frauen, sondern grundsätzlich um die Tatsache (auch das belegen Studien), dass divers aufgestellte Teams erfolgreicher zusammenarbeiten. Die Debatte darüber müssen wir vorantreiben - und bitte nicht nur bei "Women only"-Veranstaltungen.

Auch wir Frauen müssen das Narrativ verändern - in unseren Köpfen und gegenüber den Kindern. Weg von einem "Ich muss zur Arbeit und vernachlässige dadurch meine Kinder" hin zu einem "Ich möchte arbeiten, weil ich es will, es Teil von mir ist und es mich glücklich macht". Denn nur wenn ich glücklich bin, können es meine Kinder auch werden. Ihnen müssen wir dieses Selbstbewusstsein auch mit auf den Weg geben. Und jetzt meine Antwort auf die eigentliche Frage: "Na klar, warum nicht?! Unsinnige Frage!"


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Solveigh Hieronimus
    Solveigh Hieronimus ist Partnerin bei McKinsey und arbeitet an Projekten für den öffentlichen Sektor. Sie ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder.
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