Vor dem Jobinterview kurz mal Englisch sprechen

Akzentsprecher:

Von Britta Domke
7. August 2014
Corbis

Wie reagieren Personalverantwortliche, wenn ihnen Bewerber gegenübersitzen, die mit ausländischem oder regionalem Akzent sprechen? Die US-Professorinnen Laura Huang, Marcia Frideger und Jone L. Pearce haben in zwei Studien herausgefunden, dass viele Menschen ausländische Akzentsprecher als weniger geschickt im taktischen Umgang wahrnehmen. Tamara Rakic von der Lancaster University hat ein ganz ähnliches Thema in Deutschland untersucht.

Frau Rakic, Sie haben jahrelang an der Universität Jena dazu geforscht, wie Nicht-Muttersprachler von anderen wahrgenommen werden. Lassen sich die Studienergebnisse von Laura Huang und ihren Kolleginnen auch auf Deutschland übertragen?

Rakic In Deutschland laufen diese Prozesse sehr ähnlich ab - und sie betreffen nicht nur Sprecher mit ausländischem Akzent. In einer Studie in Jena haben wir herausgefunden, dass auch Menschen mit regionalen Akzenten - Bayerisch, Sächsisch oder Berlinerisch - als weniger kompetent eingeschätzt werden als Sprecher des Hochdeutschen. Jeder Akzent transportiert eben nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine soziale Bedeutung. Das muss man wissen, wenn man für die Beurteilung von Bewerbern zuständig ist.

Können Personalverantwortliche denn solche Vorurteile überhaupt vermeiden? Vieles läuft doch unbewusst ab.

Rakic Doch, es gibt Methoden, um dem vorzubeugen. In einem Experiment haben wir deutsche Versuchspersonen, die später Menschen mit türkischem Akzent beurteilen sollten, zunächst auf Englisch angesprochen. Sie mussten sich also selbst in einer anderen als ihrer Muttersprache verständigen - und bewerteten die Akzentsprecher danach nicht schlechter als sie die Hochdeutschsprecher beurteilt hatten. In einer Vergleichsgruppe, die vorher nicht Englisch sprechen musste, zeigten sich dagegen wieder typische Vorurteile gegen Personen mit türkischem Akzent. Ein Tipp könnte deshalb lauten: Reden Sie vor einem Interview einfach kurz in einer Fremdsprache. Das hilft, sich in die Lage des anderen zu versetzen.

Und was raten Sie Kandidaten, die eben nicht auf Hochdeutsch parlieren können?

Rakic Schauen Sie sich gut an, welche Eigenschaften und Qualifikationen gesucht werden, und betonen Sie im Gespräch von sich aus, dass Sie diese besitzen. Lassen Sie nichts implizit; das lässt zu viel Raum für Interpretationen.

Warum Nicht-Muttersprachler bei der Bewerbung auf Führungspositionen oft an eine gläserne Decke stoßen, lesen Sie in der August-Ausgabe des Harvard Business Managers.

Das Interview führte Britta Domke, Redakteurin des Harvard Business Managers.

Zur Autorin
Tamara Rakic ist Lecturer für Psychologie an der Lancaster University in England. Sie beschäftigt sich mit dem Einfluss ausländischer und regionaler Akzente auf Personenwahrnehmung und soziale Kategorisierung.

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Das Interview führte Britta Domke, Redakteurin des Harvard Business Managers.
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