Überzeugt von selbst organisierten Teams

22. April 2016
Corbis

3. Teil: Die kooperative Führung

Das ist eine Frage, die sich klassischerweise das Management stellt. Wir hatten das Glück, dass wir als relativ junges Unternehmen schon immer flache Hierarchien gepredigt und gelebt haben. Es gab nie ein tief verästeltes Organigramm, bei dem viele Manager um ihre Position und ihren Einfluss fürchten mussten. Trotzdem mussten auch mein Bruder und ich als Geschäftsführer von Seibert Media uns Gedanken über den Führungsstil machen. Denn sich einfach nur zurückzuziehen ("Ihr macht das schon") wirkt nicht.

Während autoritäre Führung Selbstorganisation erst gar nicht aufkommen lässt, sorgt eine Laissez-faire-Haltung dafür, dass Mitarbeiter verunsichert sind und sich nicht trauen, Entscheidungen selbst zu treffen. Es gab bei uns Situationen, in denen Mitarbeiter nach Hilfe gefragt, wir ihnen aber die Entscheidung überlassen haben. Die bessere Antwort wäre gewesen: "Wie kann ich dir helfen, damit du die Entscheidung selbst treffen kannst?" Oder noch einfacher: "Was brauchst du?"

Unser Weg ist die kooperative Führung. Trotzdem wird es noch Entscheidungen geben, die ich treffen will oder vielleicht sogar muss. Wenn den Mitarbeitern das nicht klar ist und sie nun "einfach machen", können sie sich bildlich gesprochen an einem unsichtbaren elektrischen Zaun einen Schlag holen. Das ist Gift für die Selbstorganisation. Passiert das, werden sie das nächste Mal sicher nicht mehr selbst entscheiden und einen Rüffel riskieren. An dieser Stelle hat uns das sogenannte Delegation Board von Berater Jurgen Appelo geholfen, diese Punkte sichtbar zu machen und so den Mitarbeitern die Leitplanken für ihr Handeln aufzuzeigen. Was mache ich allein, was teile ich mit, wo entscheiden wir gemeinsam, wo fragen mich andere, und was muss ich einfach hinnehmen. Das beschreibt das Delegation Board für die für uns relevanten Entscheidungsbereiche.

Die Volatilität des Internetgeschäfts erleben wir mit Seibert Media heute sehr intensiv. Wo wir früher als Internetdienstleister mit Rundum-sorglos- Dienstleistungen mit Zufriedenheitsgarantie geworben haben, müssen wir heute für spezielle Anwendungsbereiche eine Expertenposition erarbeiten und Lösungen anbieten, die die Bedürfnisse des Kunden treffen. Bei uns sind das zum Beispiel Intranets, Wiki- und Aufgabenmanagementsysteme und agile Softwareentwicklung. Das bedeutet aber auch, dass ich damit beginnen muss, den Markt besser zu verstehen, um dann das Unternehmen entsprechend aufzustellen. Dabei hat uns das von Vordenker und Autor Niels Pfläging propagierte Pfirsich-Modell (wo es statt einer Hierarchie nur eine Peripherie und ein Zentrum gibt - Anm. d. Red.) sehr geholfen. Wir stellen nun unseren Teams dazu die passenden Fragen: Welche Lösung bietet ihr dem Markt? Welche Unterstützung braucht ihr dazu? Und das gilt für alle Mitarbeiter im Unternehmen, denn der Kern des Pfirsichs sind die internen Teams, wie Buchhaltung und Marketing, die die Teams am Markt als ihre Kunden verstehen müssen.

Artikel
© Harvard Business Manager 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Nach oben