Grosse Karriere - kleine Opfer

Work-Life-Balance:

Von Stewart D. Friedman
27. Oktober 2014
Michelle Obama wirbt mit ihrer Initiative Let's Move! für gesündere Essgewohnheiten
AFP

Michelle Obama wirbt mit ihrer Initiative Let's Move! für gesündere Essgewohnheiten

Viele Menschen sind der Meinung, um etwas Großes zu erreichen, müsse man enorme Opfer bringen. Man könne nur dann beruflich erfolgreich sein, wenn man sich auf nichts anderes konzentriert. Selbst Leute, die von der Idee des Nullsummenspiels nichts halten, fallen leicht einer Art von binärem Denken zum Opfer. Das zeigt sich schon an unserem Begriff für die ideale Lebensweise: "Work-Life-Balance". Wer glaubt, dass Arbeit und Leben miteinander konkurrieren, ignoriert die Tatsache, dass das Leben in Wirklichkeit eine Schnittmenge aus und eine Interaktion zwischen vier wichtigen Bereichen ist: Arbeit, Zuhause, Gemeinwesen und unserem ganz persönlichen Ich.

Ich habe jahrelang Menschen in sehr unterschiedlichen Umfeldern analysiert und dabei die Erfahrung gemacht, dass die erfolgreichsten unter ihnen eine Synergie zwischen diesen verschiedenen Lebensbereichen erzeugen und auf diese Weise eine vierfache Win-Situation schaffen: Aktivitäten, die dazu führen, dass ihr Leben in allen vier Bereichen besser wird. Meine Untersuchungen zeigen, dass alle Menschen - von Vertriebsleitern, Führungskräften in Behörden, Computeringenieuren und Coachs bis hin zur Floristin - beruflich erfolgreich sein können, ohne dafür ständig auf alles verzichten zu müssen, was ihnen persönlich wichtig ist.

Doch da ich überall als "dieser Work-Life-Balance-Typ" bekannt bin, bekomme ich - vor allem von leistungsorientierten Menschen - immer wieder Bedenken zu hören: "Ein ausgewogenes Leben - das ist ja ganz schön und gut, Stew", sagen sie, "aber mal ganz ehrlich: Kann man wirklich etwas erreichen, ohne in seinem Privat- und Familienleben große Opfer dafür bringen zu müssen?"

Deshalb habe ich bei der Arbeit an meinem neuen Buch Ausschau nach bekannten Persönlichkeiten gehalten, die - bewusst oder unbewusst - ihre Arbeit und ihr übriges Leben ineinander integrieren konnten und damit nicht nur gezeigt haben, dass so etwas tatsächlich möglich ist, sondern uns allen ein gutes Beispiel dafür geben, wie man es bewerkstelligen kann. Schließlich entschied ich mich für sechs Personen. Ich bin der Meinung, dass diese sechs Menschen nicht beruflich erfolgreich sind, obwohl sie neben ihrer Arbeit noch ein erfülltes Leben führen, sondern gerade deshalb.

Falls Sie nun den Eindruck haben sollten, dass der Erfolg dieser Leute reine Glücksache war - falsch gedacht! Keiner von ihnen wurde in ein privilegiertes Leben hineingeboren. Sie mussten sich ihre ganz persönliche Größe - und die Persönlichkeiten, die sie heute sind - mühsam erkämpfen und erarbeiten. Alle haben Enttäuschungen, Frustrationen, Zweifel und Verluste erlebt - die Hälfte von ihnen ist bereits zum zweiten Mal verheiratet.

Seite
1
2
Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Stewart D. Friedman

Leading the Life You Want

Skills for Integrating Work and Life

Perseus Distribution 2014, 256 Seiten, 18,95 Euro
Jetzt bei Amazon kaufen
ANZEIGE
Nach oben