"Wir brauchen multidisziplinäre Teams"

Unternehmensberatung:

16. Februar 2017
Carsten Hentrich, Michael Pachmajer (v.li.)
Frithjof Kjer

Carsten Hentrich, Michael Pachmajer (v.li.)

Wie hat sich Ihre Arbeit als Berater verändert?

Pachmajer: Unternehmen haben heute mehr Beratungsexpertise, mehr strategisches Methodenwissen und zum Teil sogar eigene Inhouse-Consultants. Für externe Berater hat sich die strategisch-konzeptionelle Arbeit bei Digitalprojekten dadurch stark verändert. Neben dem ganzheitlichen Blick auf ein Projekt erwartet man von uns immer mehr Detailwissen über das jeweilige Unternehmen und Erfahrungen aus anderen Branchen, die wir einbringen.

Unsere Rolle als Ratgeber wandelt sich immer stärker zu der eines Netzwerkers und ständigen Begleiters, der hilft, die richtigen Fragen zu stellen, die richtigen Ansprechpartner zusammenzubringen und der am Ende gemeinsam mit dem Kunden eine passende Lösung erarbeitet.

Warum ist das Netzwerk so wichtig geworden?

Hentrich: Die Probleme werden komplexer. Das dazu nötige Fachwissen verteilt sich auf sehr unterschiedliche Personen. Um geeignete Antworten zu finden, brauchen wir multidisziplinäre und hierarchieübergreifende Teams. Unsere Aufgabe ist es, die richtigen Mitglieder auszuwählen - und den richtigen Weg finden, sie zu führen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Hentrich: Wir diskutieren zum Beispiel mit dem Geschäftsführer eines Unternehmens zunächst das Gesamtproblem, hinterfragen die Strategie und das Geschäftsmodell, untersuchen mögliche Veränderungen. Dann machen wir Vorschläge für Partner, die bei der Suche nach einem Lösungsansatz helfen können. Dazu haben wir ein Ökosystem aus unterschiedlichen Experten und Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Agenturen. Wir laden unsere Kunden auch ein, andere Unternehmen zu besuchen, um Vernetzung und Perspektivwechsel anzuregen. Die digitalen Strategieprojekte selbst werden oft viel kleinteiliger, es wird mehr getestet und in Workshops gearbeitet. Branchengrenzen überschreiten wir dabei bewusst. Wir sehen uns heute eher als Baumeister vernetzter Unternehmen.

Wirken sich die neuen Anforderungen auf Ihre Organisation aus?

Pachmajer: Unser Team arbeitet inzwischen selbstorganisiert. Die Führungsrolle wird dabei nach Bedarf und Expertise vergeben. Am Ende geht es darum, für die Kunden die richtigen Tools zu finden - und sie mit den richtigen Experten auf die jeweilige Situation anzupassen, damit sie die volle Wirkung entfalten. Berater brauchen heute das Selbstbewusstsein, etablierte Methoden zu verändern, sie immer wieder zu variieren.


Getrieben vom technologischen Wandel und von veränderten Anforderungen der Kunden experimentieren Berater mit völlig neuen Ansätzen. Es bilden sich Netzwerke und es kommt zu ungewöhnlichen Kooperationen. Mehr zu diesem Thema und viele nutzwertige Hinweise für Consultants finden Sie in unserem Schwerpunkt "Berater 4.0".


Projekt Berater 4.0


Wie Digitalisierung, anspruchsvolle Kunden und der Trend zu Kooperation das Geschäft der Consultants verändern


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