Was Xiaomi anders als Apple macht

Disruptive Innovation:

Von Juan Pablo Vazquez Sampere
5. November 2014
Xiaomi-Chef Lei Jun bei der Präsentation des neuen Smartphones in 2013
Getty Images

Xiaomi-Chef Lei Jun bei der Präsentation des neuen Smartphones in 2013

Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen im unternehmerischen Prozess, welche Kundengruppe man ansprechen möchte. Mit Kunden, die berechenbarer sind und ein vergleichsweise geringeres Risiko bergen, können neu gegründete Firmen leichter in einem Markt Fuß fassen. Ein Beispiel dafür ist die zurzeit entstehende Mittelklasse in den Schwellenländern.

Warum? Erstens ist diese immer finanzstärkere Personengruppe sehr interessiert an dem Kauf neuer Dinge. Die Top-Marken können diese Konsumenten sich zwar noch nicht leisten, aber sie sind durchaus bereit, für ein Produkt, das ihrer favorisierten Marke ihrer Meinung nach sehr nahe kommt, ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Zweitens sind diese Kunden nicht attraktiv für etablierte Unternehmen, da sie schließlich genügend Einnahmen generieren müssen, um ihre hohen fixen und variablen Kosten wieder hereinzuholen. Deshalb stellen diese Konsumenten für neu gegründete Firmen eine interessante Alternative dar: begütert und zahlreich genug, um ihnen einen Wachstumsschub zu geben, andererseits aber so arm, dass es sich für etablierte Unternehmen nicht lohnt, sich um sie zu bemühen.

Der vor vier Jahren gegründete chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi hat genau so eine Nische entdeckt und erobert jetzt die Smartphone-Branche im Sturm. Nach Meinung von Wirtschaftsexperten ist Xiaomi lediglich eine chinesische Kopie von Apple - und das nicht ohne Grund. Einige Experten weisen auf die Neuprodukteinführungen von Xiaomi hin, die denen von Apple auf gerade unheimliche Weise ähneln. Andere begründen ihr Urteil mit den großen Ähnlichkeiten zwischen dem Betriebssystem (MIUI) von Xiaomi und dem iOS von Apple. Und nicht nur das: Die Produkte von Xiaomi gehören zu den leistungsstärksten der Branche. All diese Indizien könnten tatsächlich darauf hindeuten, dass Xiaomi sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den führenden Smartphone-Herstellern liefert.

Doch wenn man sich das Geschäftsmodell von Xiaomi etwas genauer anschaut, wird einem klar, wie anders es ist - und wie disruptiv es sich auf die Smartphone-Branche auswirkt. Zunächst einmal will Xiaomi im Gegensatz zu Apple keine Premiumkunden ansprechen. Die qualitativ hochwertigen Handys dieser Firma werden hauptsächlich von Teenagern gekauft. Für die ist das alles andere als teuer: Die Preise von Xiaomi sind um mindestens 60 Prozent niedriger. Ein cleverer Trick. Wie schafft Xiaomi das?

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Kommentare
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kargo123 05.11.2014

Disruptiv ist vielleicht etwas übertrieben, aber tatsächlich eine gute Idee. Das mit dem Zeitfenster. Wirklich neu ist das aber nicht, nur projiziert auf Smartphones. Well done!

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