Lernen von den Anonymen Alkoholikern

Change Management:

Von Michael Leitl
4. Dezember 2014
Eiko Ojala

Der Berater Keith Ferrazzi analysierte mit seinem Team eine ganze Reihe von Therapieprogrammen, um herauszufinden, wie sich Verhaltensweisen von Menschen am besten verändern lassen. Klassische Zwölf-Schritte-Programme wie das der AA waren genauso darunter wie eher unkonventionelle Methoden - von dem in der US-Fernsehshow "The Biggest Loser" propagierten Radikalentzug über Therapieansätze für labile Jugendliche bis hin zu Trainingsmethoden für Orcawale. Die anfängliche Skepsis wich, als sie begriffen, dass es sowohl beim Change Managament, als auch bei der Therapie darum geht, einen möglichst effektiven Hebel zu finden, mit dessen Hilfe Menschen eingefahrene Verhaltensweisen ändern können. Es gelang ihnen, die beiden Welten miteinander zu verbinden und Ansätze aus der Arbeit mit Drogenabhängigen für unsere Change-Management-Beratung zu nutzen. Eines der Unternehmen, in dem sie ihre Methode einsetzten, war der Finanzdienstleister Lincoln Financial.

Die Personalchefin Lisa Buckingham berichtet im Gespräch mit der Harvard Business Review über ihre Erfahrungen.

Warum sind Gewohnheiten so wichtig?

Buckingham Organisationen entwickeln mitunter dysfunktionale Gewohnheiten. Als ich im Jahr 2008 bei Lincoln Financial anfing, fiel mir beispielsweise auf, dass die meisten Meetings in dem Unternehmen erst mit fünf Minuten Verspätung begannen und dass einzelne Teilnehmer während der Besprechungen mit ihrem Smartphone herumhantierten. Permanente Verspätungen senken die Produktivität, und Multitasking kann menschliche Beziehungen beeinträchtigen, also setzten wir diese beiden Verhaltensweisen auf den Index. Inzwischen fangen Meetings bei uns pünktlich an und sollte jemand währenddessen auf sein Telefon schauen müssen, verlässt er dafür kurz den Raum.

Im Grunde sind das recht kleine Verhaltensänderungen, doch sie haben einen enormen Einfluss auf unsere Arbeitskultur. Ich selbst war niemals bei den AA oder den Weight Watchers, aber die Analogien, die Keith Ferrazzi beschreibt, leuchten mir sofort ein. Tief greifender Wandel geht immer auch mit der Veränderung persönlicher Angewohnheiten einher.

Gibt es noch weitere Parallelen, die Sie zwischen Zwölf-Schritte-Programmen und Ihrer Arbeit als Personalleiterin sehen?

Buckingham Unterstützungsgruppen sorgen für einen sicheren Raum, in dem es Menschen leichter fällt, authentisch zu sein. Genau das versuchen wir auch bei uns im Unternehmen zu schaffen. Offenheit und Aufrichtigkeit sind uns ungeheuer wichtig. Auch deshalb beginnen wir Besprechungen bei uns im Haus immer damit, den Menschen zunächst ein paar Minuten Zeit für den persönlichen und professionellen Austausch zu geben. Die Nähe, die dadurch entsteht, erfordert von allen Anwesenden, sich zu öffnen und verletzbar zu zeigen. Das sorgt wiederum für einen besseren Teamzusammenhalt. Nicht zuletzt ermöglicht es uns häufig nur der persönliche Austausch, anderen unsere Hilfe anzubieten.

Woran erkennt man Etappenziele?

Buckingham Wir versuchen, jeden noch so kleinen Erfolg kurz zu feiern. Viele unserer Führungskräfte schreiben etwa per Hand Dankeskarten. Es kann auch sein, dass wir einem Kollegen per E-Mail zu seiner Leistung gratulieren - und den gemeinsamen Vorgesetzten in Kopie setzen. Diese Dinge sorgen dafür, dass Menschen sich wertgeschätzt fühlen - und genau darauf kommt es an, wenn sie von einem Wettbewerber ein Angebot bekommen. Wir versuchen, Dankbarkeit vorzuleben. Es ist etwa keine schlechte Idee, einem geschätzten Mitarbeiter einfach zwischendurch Blumen zu schicken.


Im folgenden Beitrag beschreibt Keith Ferrazzi, wie das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker auf das Veränderungsmanagement übertragen werden kann:



Schritt für Schritt zum Ziel


HBM-Artikel als PDF, 5 Seiten

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Lesen Sie dazu auch das neueste Konzept des renommierten Change-Management-Experten John Kotter. Er zeigt, wie Sie Ihr Unternehmen organisieren müssen, damit es in einer Welt raschen Wandels wettbewerbsfähig bleibt.



Die Kraft der zwei Systeme


HBM-Artikel als PDF, 15 Seiten

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Zum Autor
Michael Leitl ist Redakteur des Harvard Business Managers.

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Kommentare
1
verena_czerny 05.12.2014

"Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Tat, übermorgen die Gewohnheit, danach den Charakter, und endlich sein Schicksal." (Gottfried Keller). Jeder kann nur sich selbst verändern. Wie ist es möglich im Change Management auf ganze Organisationen so einzuwirken, dass sie sich verändern?

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