Halten Sie an Ihren Führungsidealen fest

15. Dezember 2014
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2. Teil: Eine Art Kulturschock

Der Traum eines Vorgesetzten

Szenenwechsel zu einem etablierten mittelständischen Produktionsunternehmen, in dem moderne Führungsstrukturen etabliert werden sollen. Als ich meinen Klienten Thomas B. kennenlerne, ist klar: hier meint es ein Unternehmen wirklich ernst und stellt moderne Manager ein. Thomas B. ist Anfang 30, wirkt aber noch ein bisschen wie ein großer Junge. Er ist extrem pfiffig, hat es bereits zum Entwicklungsleiter gebracht. Der Traum eines Vorgesetzen für kreative und innovative Mitarbeiter. Ich bin wirklich beeindruckt von diesem jungen Mann. Umso überraschter bin ich, was die Personalleiterin erzählt: "Wir suchen händeringend Mitarbeiter. Eben haben wieder zwei Bewerber abgesagt, die in seinem Team anfangen sollten." Ihre Begründung: Der Teamleiter sei viel zu jung. Was könne man von dem schon lernen und will man sich von dem was sagen lassen?

Die Bewerber kamen von einem konservativen Automobilkonzern und waren im etwa im gleichen Alter wie ihr potenzieller Vorgesetzter. Dessen unkonventionelle Art rief bei ihnen eine Art Kulturschock hervor. Ihre Idealvorstellung einer Führungskraft lautet vermutlich: mindestens 45 Jahre alt, dunkler Anzug und strahlt eine gewisse Härte aus.

Ich könnte noch etliche solche Beispiele erzählen. Es ist viel von moderner Führung die Rede, doch mit der Unternehmensrealität hat das oft wenig zu tun. Die ewig Gestrigen wird man schwer überzeugen können. Schwierig wird es, wenn selbst die Manager mit modernen Idealen, sich diese durch negative Erfahrungen verderben lassen. Und moderne Unternehmen Probleme haben, gute Mitarbeiter zu finden.

Die Führungskräfte müssen deswegen nicht gleich das Unternehmen wechseln. Es gibt andere Wege jenseits der Selbständigkeit, des Aussteigens und der kompletten Anpassung. Wer an moderne Führung glaubt, sollte dieses Ideal nicht verkaufen, sondern versuchen, danach zu leben und Veränderungen zu bewirken.

1. Das richtige Unternehmen suchen. Nachhaltige Führung, Vertrauen, Selbstorganisation, kleine Einheiten, flache Hierarchien, Transparenz und der Mitarbeiter als höchstes Gut - es gibt Unternehmen, die diese Werte wirklich verkörpern. Und es werden immer mehr. Allerdings sind es oft die kleineren und mittelständischen Unternehmen, die in ihrer Nische als Hidden Champion sehr erfolgreich sind.

2. Neue Allianzen bilden. Auch in konservativ geprägten Unternehmen können Sie etwas verändern, wenn Sie sich Verbündete suchen. Politik ist spätestens ab der zweiten Führungsebene immer ein Thema - vernetzen Sie sich mit anderen, die ähnliche Führungsvorstellungen haben wie Sie. Um etwas außerhalb der bestehenden Machtstrukturen bewegen zu können, macht es Sinn für eine Weile "unterm Radar" zu bleiben. Fangen Sie also im Kleinen an, schmieden Sie Allianzen erstmal unsichtbar, versuchen Sie aus modern denkenden Führungskräften ein Netzwerk zu etablieren.

3. Überprüfen der eigenen Einstellung. Wer sich selbst - ähnlich wie Herr H. -für zunehmend misstrauisch hält, kann seine Einstellung mit einfachen Fragen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Sie haben so die Möglichkeit, sich die Dinge objektiv anzuschauen und sich auch dem Positiven gegenüber zu öffnen.

- Ist das Negative wirklich wahr? Ich weiß nicht. Ich glaube schon.
- Ist das zu 100 Prozent bewiesen?
- Wie lauten die Fakten?
- Welche andere Annahme wäre auf Basis der Fakten möglich?

Liebe Manager, wenn Ihr an moderne Führung, Selbstbestimmung, Transparenz glaubt - gebt nicht auf! Vernetzt Euch!


Wie Mitarbeiter gesund und produktiv bleiben, lesen Sie in unserer Edition "Der fitte Manager".

Zur Autorin
Gudrun Happich agiert mit ihrem "Galileo . Institut für Human Excellence" seit rund 20 Jahren als Sparrings-Partnerin für Unternehmenslenker an Karriereschwellen und in Krisensituationen. Führungskräfte, die nach Erfolg und Erfüllung streben, gewinnen in ihren Führungskräftecoachings Klarheit über die eigenen Möglichkeiten und Perspektiven. Unternehmen binden dadurch ihre Top-Performer und setzen sie so ein, dass sie ihr Potenzial optimal nutzen können.

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