Aus den Augen, aus dem Sinn

Kollaboration:

Von Ben Waber, Jenniver Magnolfi und Greg Lindsy
Agnes Elisabeth Szucs/Getty Images

Thomas J. Allen war 1977 mit seinem Buch "Managing the Flow of Technology" der Erste, der eine starke negative Korrelation zwischen räumlicher Entfernung und Kommunikationshäufigkeit belegte. Die nach ihm benannte "Allen-Kurve" besagt, dass die Wahrscheinlichkeit einer regelmäßigen Kommunikation bei Kollegen, die sechs Fuß (knapp zwei Meter) voneinander entfernt sitzen, viermal so hoch ist wie bei Kollegen, die 60 Fuß (gut 18 Meter) voneinander entfernt sitzen. Sie sagt ferner aus, dass wir mit Kollegen aus anderen Stockwerken oder Gebäuden fast nie kommunizieren.

Anders als in den 70er Jahren ist das Büro aber nicht mehr nur ein physischer Ort. Wir können uns einloggen, von überall auf der Welt an Besprechungen teilnehmen und mit Kollegen, die wir nie gesehen haben, gemeinsam Dokumente bearbeiten. Man könnte meinen, dass Technologien, die räumliche Entfernungen überbrücken, die Allen-Kurve durchbrechen, und dass Kommunikation mit der räumlichen Entfernung nicht mehr korreliert.

Die Allen-Kurve gilt auch für digitale Kommunikation
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Die Allen-Kurve gilt auch für digitale Kommunikation

Aber das stimmt nicht. Die Allen-Kurve hat nach wie vor Gültigkeit. Offenbar wird räumliche Nähe umso wichtiger, je schneller die technologische Entwicklung voranschreitet. Studien von Ben Waber zeigen, dass die Kurve sowohl für persönliche als auch für digitale Kommunikation gilt. In einer der Untersuchungen war die Wahrscheinlichkeit, digital in Kontakt zu bleiben, bei Ingenieuren, die gemeinsam in einem Büro saßen, um 20 Prozent höher als bei jenen, die räumlich getrennt arbeiteten. Wenn sie eng zusammenarbeiten mussten, war die E-Mail-Frequenz bei Kollegen, die in räumlich geringer Entfernung arbeiteten, viermal so hoch wie bei Kollegen an unterschiedlichen Standorten. Dies verkürzte die Projektlaufzeiten um 32 Prozent.


Die Erkenntnisse der Autoren zeigen, wie wichtig es ist, darüber nachzudenken, wie sich die Gestaltung von Büros auf die Zusammenarbeit auswirkt. In ihrem Beitrag "Der Wert der Gestaltung" zeigen Ben Waber, Jennifer Magnolfi und Greg Lindsay wie der Büroraum das Ergebnis des gesamten Unternehmens beeinflusst.



Der Wert der Gestaltung


HBM-Beitrag als PDF, 10 Seiten

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Zu den Autoren
Ben Waber ist President und CEO der Bostoner Managementberatung Sociometric Solutions und Gastwissenschaftler am MIT Media Lab.

Jenniver Magnolfi ist F&E-Beraterin, die sich mit flexiblen, programmierbaren Lebensräumen und mit der Integration von Coworking in Hightecharbeitsumgebungen beschäftigt.

Greg Lindsy schreibt für das Wirtschaftsmagazin "Fast Company" und arbeitet an einem Buch über glückliche Zufälle und die Schnittstellen zwischen sozialen Netzwerken und physischen Räumen.

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