Abkürzung oder Irrweg?

Entscheiden:

9. Juni 2016
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Die folgende Übersicht zeigt, wie Sie mit einfachen Regeln Ihre Entscheidungen verbessern können.

Hilfreiche Faustregeln

In welcher Form sollten Sie Ihr Geld in die betriebliche Altersvorsorge investieren? Teilen Sie es doch einfach zu gleichen Teilen auf die von Ihrem Arbeitgeber angebotenen Fonds auf. (Das Beispiel - aber nicht der grundsätzliche Gedanke - bezieht sich auf die US-amerikanische Altersvorsorge - Anm. d. Red.) Diese Methode mag zunächst vielleicht idiotisch klingen, aber in den meisten Fällen ist sie genauso erfolgreich wie Portfoliooptimierungsmethoden auf der Grundlage historischer Daten. Das haben Victor DeMiguel, Lorenzo Garlappi und Raman Uppal 2009 herausgefunden. Nur wenn historische Daten für einen Zeitraum von mehr als 250 Jahren vorliegen, bringen die Optimierungsmethoden zuverlässig bessere Ergebnisse hervor.

Wiedererkennungsheuristik
Wenige Informationen zu haben ist oft besser, als mehr zu haben, und einen Namen wiederzuerkennen spricht häufig dafür, dass er tatsächlich bedeutend ist. So sollten US-Studenten bei zufällig ausgewählten Städtepaaren raten, welche Stadt die größere ist. Dabei schnitten sie bei deutschen Städten besser ab als bei amerikanischen, wie Dan Goldstein und Gerd Gigerenzer 2002 herausfanden. Bei einem früheren Experiment mit deutschen Probanden hatte sich der gleiche Mechanismus gezeigt: Hier waren die Teilnehmer bei den amerikanischen Städten besser. Als Goldstein und Gigerenzer den Deutschen das Quiz mit US-Städten immer wieder vorlegten, wurden die Antworten schlechter, weil die Probanden inzwischen mehr Städtenamen kannten.

Unsinnige Faustregeln

Verfügbarkeitsheuristik
Wenn wir uns leicht an etwas erinnern können, halten wir es für wahrscheinlicher. Daniel Kahneman und Amos Tversky führten in den 70er Jahren ein Experiment durch, bei dem sie die Probanden fragten, was wahrscheinlicher sei: dass ein Wort mit dem Buchstaben K beginnt oder dass k der dritte Buchstabe ist. Weil es einfacher ist, sich an Wörter zu erinnern, die mit k beginnen, wählten die meisten diese Option - obwohl es im Englischen doppelt so viele Wörter gibt, bei denen k der dritte Buchstabe ist. Eine ähnliche Dynamik wurde bei volkswirtschaftlichen oder Investmentprognosen beobachtet.

Besitztumseffekt
Wenn Sie Menschen einen Kaffeebecher in die Hand drücken und fragen, für welchen Preis sie den Becher verkaufen würden, nennen sie einen deutlich höheren Preis, als wenn sie den Wert der Tasse als Käufer taxieren sollten. Das haben Daniel Kahneman, Jack Knetsch und Richard Thaler 1990 herausgefunden. Nachfolgende Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen Dinge, die ihnen gehören, praktisch immer höher bewerten als solche, die ihnen nicht gehören - auch wenn der Marktwert identisch ist.


Mehr über Wege zu sinnvollen Urteilen erfahren Sie in unserer Edition "Einfacher entscheiden".


Einfacher entscheiden


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