Wer mit der digitalen Transformation Schritt halten will, muss umdenken!

12. Juli 2016
Getty Images/Cultura RF

4. Teil: Öffnung gegenüber neuen Ideen

Das entscheidende Element dieses Umdenkprozesses ist die Umkehrung: die Bereitschaft, sich für neue Ideen zu öffnen, die den traditionellen Vorstellungen, auf denen Ihre Branche und Ihr Geschäft beruhen, wahrscheinlich widersprechen werden. Ein wichtiger erster Schritt dazu ist die Veränderung Ihres Denkmodells. Und der nächste Schritt besteht tatsächlich in einer anderen Kapitalzuweisung. Unter Immelt hat GE beschlossen, sein Hauptaugenmerk vom Aufkauf von Unternehmen auf die Produktion zu verlagern und die dafür erforderlichen Kapazitäten im eigenen Haus aufzubauen. Vielen Unternehmen kann eine Übernahme oder Partnerschaft bei der Umsetzung neuer Prämissen helfen.

Das Führungsteam von General Motors hat zu Beginn des Jahres 2016 beschlossen, ebenfalls an diesem Umdenkprozess im Transportgeschäft teilhaben zu wollen, einer Branche, in der zurzeit rapide Umwälzungen im Gange sind - man denke nur an neue Entwicklungen wie Mitfahrzentralen und autonome Automobile. GM-Präsident Daniel Ammann meint dazu: "Unserer Einschätzung nach wird es in den nächsten fünf Jahren im Bereich der Mobilität mehr Veränderungen geben als in den letzten 50 Jahren" - und der Autokonzern ist offensichtlich entschlossen, auf diesen Zug aufzuspringen. Anfang 2016 gab GM bekannt, dass der Konzern im Rahmen der neuesten, eine Milliarde Dollar umfassenden Risikofinanzierungsrunde von Lyft (einem als digitales Netzwerk aus Fahrern und Mitfahrern organisierten Fahrdienstvermittler) 500 Millionen Dollar investieren wird.

Lyft arbeitet mit einem ganz neuen Geschäftsmodell im Bereich der Fahrzeugnutzung. "Wir sind der festen Überzeugung, dass die Markteinführung bei autonomen Fahrzeugen am besten über ein Netzwerk funktioniert und nicht über individuellen Autobesitz", hat der President von Lyft erklärt. GM setzt seine neue Sichtweise der Automobilbranche konsequent in die Praxis um und investiert einen Teil seines Kapitals in diese neue Zukunft.

Es liegt auf der Hand, dass sowohl GE als auch GM sich für neue Zukunftperspektiven engagieren, die innovative Geschäftsmodelle erfordern werden. Und wie steht es mit Ihnen und Ihrem Unternehmen? Sind auch Sie bereit, Ihre bisherige Sichtweise zu überdenken? Sind Sie offen dafür, sich mit Technologien zu beschäftigen, durch die neue, skalierbarere Geschäftsmodelle entstehen können, und in diese Technologien zu investieren? Und sind Sie auch willens, bei Ihrer Wertschöpfung mit den Netzwerken in Ihrem geschäftlichen Umfeld zu kooperieren? Falls nicht, sollten Sie sich mit unseren Forschungsergebnissen auseinandersetzen und sich fragen: Wie viel Zeit bleibt mir noch, bis die Organisation und Kooperation in Form von Netzwerken auch meine Märkte infiltriert? Unserer Meinung nach kann es auf diese Frage nur eine Antwort geben. Es ist höchste Zeit, mit dem Reden aufzuhören und endlich etwas zu tun!


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Kommentare
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Tobias Schrade 13.07.2016

Insgesamt ein guter Ansatz und eine aktuelle Bestandsaufnahme aus der möglichen Praxis. Vielleicht sollte dort auch der Blickwinkel von Peter F. Drucker aufgenommen werden, nämlich der gesellschaftliche Nutzen, der den Bestand der Unternehmung sichert. Zudem empfehle ich die DavoundDa-Methodik um bei Transformationsprozessen das Davor und das Danach mit in die Überlegungen mit einzubeziehen. Oftmals ist der Blickwinkel zu eng gefasst. Wenn man den Strom der Wertschöpfung und den darin Beteiligten folgt, sowie den anfallenden Daten folgt, so erhält man ein Big Picture der Situation. Daraus stellt sich die Frage der neuen Ausrichtung um den Adressaten (Kunde, Lieferant, Partner) selbst erfolgreich zu machen. Vor allem die Emotion, die zu mehr als 90% unsere Entscheidungen prägt, darf dabei nicht aus den Augen verloren werden. Ängste, Bedürfnisse und die jeweiligen Werte sind zu berücksichtigen. Aus diesem sehr komplexen kybernetischen Gefüge gilt es dann das eigene neue Selbstverständnis, sowie das neue Spielfeld zu definieren. Die dazu notwendige Reduzierung der Komplexität, unter Aufrechterhaltung der eigenen Identität, ist dabei eine der anspruchsvollsten Herausforderungen. Die morphologischen Ansätze von Fritz Zwicky, die auch bei der NASA zu Einsatz kommen, können als adäquates Hilfsmittel dienen. Doch die zentrale Rolle spielt dabei immer noch der Mensch, der die Transformation begleitet. Nehmen wir die Ehrausforderung an!

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