Wer mit der digitalen Transformation Schritt halten will, muss umdenken!

12. Juli 2016
Getty Images/Cultura RF

3. Teil: 5 Schritte für einen Wandlungsprozess

Wie krempelt man ein veraltetes Geschäftsmodell so um, dass es Umsätze und Gewinnmargen steigert und die Kosten senkt? Beginnen Sie mit diesem Wandlungsprozess bei sich selbst! Ohne grundlegendes Umdenken können Sie Ihr Geschäftsmodell nicht verändern. Immer mehr etablierte Unternehmen - selbst Firmen, bei denen vermögenswertorientierte Geschäftsmodelle eine jahrzehntelange Tradition haben - bemühen sich mittlerweile, mit den rapiden Umwälzungen unseres digitalen Zeitalters Schritt zu halten. Doch dazu müssen Unternehmen und deren Führungsteams zunächst einmal ihre Grundüberzeugungen ändern. Dieser Prozess läuft normalerweise folgendermaßen ab:

1. Analysieren Sie, wie Ihre Sichtweise sich in Ihrem Geschäft manifestiert. Überdenken Sie Ihre Grundprinzipien. Nach welchen Mustern läuft die Zeit- und Kapitalzuweisung in Ihrem Unternehmen ab? Welche Hauptmetriken verfolgen Sie? Für den Leiter eines an Vermögenswerten orientierten Unternehmens geht es bei diesen Metriken meistens um eine effiziente Produktion und effizientes Management physischer Güter.

2. Werden Sie sich darüber klar, welche Grundüberzeugungen hinter Ihren Vorgehensweisen stecken. Dieser Schritt erfordert normalerweise einen kontinuierlichen Reflexionsprozess. Wahrscheinlich werden Sie in Ihrem Denken stark von den in Ihrer Branche bewährten Praktiken beeinflusst. Konzentrieren Sie sich bei Schritt 2 vor allem auf Ihre Sichtweise von Vermögenswerten, Wertschöpfung und Geschäftsmodellen. Eine solche Grundüberzeugung könnte zum Beispiel lauten: "Sachwerte sind etwas Beständiges und Verlässliches; Menschen dagegen sind volatil und stellen somit immer ein gewisses Risiko dar."

3. Stellen Sie Ihre Grundüberzeugungen auf den Kopf und denken Sie darüber nach, was für Konsequenzen das nach sich ziehen könnte. Beim Thema Sachwerte könnte dieser Umdenkprozess zum Beispiel folgendermaßen aussehen: "Eigentlich gehen Sachwerte mit höheren Risiken einher als andere Vermögenswerte." Finden Sie zu einer Umkehrung Ihrer vorherigen Überzeugung, zu der Sie innerlich stehen können - von der Sie glauben, dass sie tatsächlich stimmen könnte -, und denken Sie darüber nach, inwiefern sich Ihr unternehmerisches Vorgehen dadurch ändern würde.

4. Versuchen Sie vorauszusehen, wie diese neue Sichtweise sich auf Ihre Strategie, Ihre Kapitalzuweisung und Ihre wichtigsten Metriken auswirken würde. Denken Sie darüber nach, ob andere Unternehmen Ihrer Branche sich bereits an diesen neuen Prämissen orientieren und inwiefern das zu einer Disruption führen könnte. Überlegen Sie, wie die neue Perspektive sich auf Ihre Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Investoren auswirken würde.

5. Handeln Sie nach Ihren neuen Überzeugungen und vermitteln Sie sie auch den übrigen Managern in Ihrem Führungsteam! Ändern Sie Ihr Vorgehen ganz bewusst - so lange, bis sich in Ihrem ganzen Unternehmen neue Abläufe durchgesetzt haben: vor allem in der Kapitalzuweisung, aber auch im allgemeineren Sinn, zum Beispiel bei Themen wie der Einstellung und Schulung von Mitarbeitern und wichtigen Leistungsindikatoren.

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Kommentare
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Tobias Schrade 13.07.2016

Insgesamt ein guter Ansatz und eine aktuelle Bestandsaufnahme aus der möglichen Praxis. Vielleicht sollte dort auch der Blickwinkel von Peter F. Drucker aufgenommen werden, nämlich der gesellschaftliche Nutzen, der den Bestand der Unternehmung sichert. Zudem empfehle ich die DavoundDa-Methodik um bei Transformationsprozessen das Davor und das Danach mit in die Überlegungen mit einzubeziehen. Oftmals ist der Blickwinkel zu eng gefasst. Wenn man den Strom der Wertschöpfung und den darin Beteiligten folgt, sowie den anfallenden Daten folgt, so erhält man ein Big Picture der Situation. Daraus stellt sich die Frage der neuen Ausrichtung um den Adressaten (Kunde, Lieferant, Partner) selbst erfolgreich zu machen. Vor allem die Emotion, die zu mehr als 90% unsere Entscheidungen prägt, darf dabei nicht aus den Augen verloren werden. Ängste, Bedürfnisse und die jeweiligen Werte sind zu berücksichtigen. Aus diesem sehr komplexen kybernetischen Gefüge gilt es dann das eigene neue Selbstverständnis, sowie das neue Spielfeld zu definieren. Die dazu notwendige Reduzierung der Komplexität, unter Aufrechterhaltung der eigenen Identität, ist dabei eine der anspruchsvollsten Herausforderungen. Die morphologischen Ansätze von Fritz Zwicky, die auch bei der NASA zu Einsatz kommen, können als adäquates Hilfsmittel dienen. Doch die zentrale Rolle spielt dabei immer noch der Mensch, der die Transformation begleitet. Nehmen wir die Ehrausforderung an!

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