Wer mit der digitalen Transformation Schritt halten will, muss umdenken!

12. Juli 2016
Getty Images/Cultura RF

2. Teil: Neue Denkmodelle

Je nach ihren Vorstellungen von Wert und Wertschöpfung setzen Manager bestimmte Strategien ein, engagieren bestimmte Mitarbeiter mit ganz bestimmten Kompetenzen und - was am allerwichtigsten ist - nutzen bestimmte Systeme, mit deren Hilfe sie die Leistungen ihrer Mitarbeiter beurteilen und von denen sie sich bei ihren Entscheidungsprozessen leiten lassen. In den meisten Branchen sind diese Grundprämissen ein ehernes Gesetz - das erst dann über den Haufen geworfen wird, wenn ein risikokapitalfinanziertes Startup-Unternehmen daherkommt und alles auf den Kopf stellt. Die Liste disruptiver neuer Marktteilnehmer wird immer länger. Was sie von den alteingesessenen Unternehmen unterscheidet, liegt auf der Hand: Sie bringen neue Denkmodelle in bereits bestehende Branchen hinein und schaffen neue Geschäftsmodelle, von denen Kunden und Investoren gleichermaßen begeistert sind.

Jeffrey Immelt, der CEO von General Electric, leitete das Jahr 2016 mit der Devise ein: "Wir können kein Industrieunternehmen mehr sein. Wir müssen mehr so werden wir Oracle oder Microsoft." Um dieses Ziel zu erreichen, hat Immelt vor, "unser Geschäftsmodell dementsprechend weiterzuentwickeln". Seiner Meinung nach kann GE nur dann erfolgreich sein, wenn das Unternehmen zu Veränderungen auf verschiedensten Ebenen bereit ist - von der Mitarbeiterrekrutierung über das Kundenmanagement bis hin zur Technologie.

Immelt spricht hier nicht von halbherzigen Korrekturen, sondern strebt einen tiefgreifenden, grundlegenden Wandel an. Wie bei den meisten anderen Unternehmen im Markt hat die Herstellung, der Vertrieb und Verkauf von Produkten (von Flugzeugtriebwerken oder Lokomotiven über Küchengeräte bis hin zu Windkraftanlagen) bei GE eine lange und starke Tradition. Doch in einer Welt, die sich immer mehr vom physischen zum digitalen Geschäft und vom Unternehmen zum Netzwerk hin orientiert, wäre ein Festhalten an dieser traditionellen Sichtweise ein todsicheres Misserfolgsrezept. Anpassungsfähigkeit ist heute wichtiger als je zuvor.

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Kommentare
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Tobias Schrade 13.07.2016

Insgesamt ein guter Ansatz und eine aktuelle Bestandsaufnahme aus der möglichen Praxis. Vielleicht sollte dort auch der Blickwinkel von Peter F. Drucker aufgenommen werden, nämlich der gesellschaftliche Nutzen, der den Bestand der Unternehmung sichert. Zudem empfehle ich die DavoundDa-Methodik um bei Transformationsprozessen das Davor und das Danach mit in die Überlegungen mit einzubeziehen. Oftmals ist der Blickwinkel zu eng gefasst. Wenn man den Strom der Wertschöpfung und den darin Beteiligten folgt, sowie den anfallenden Daten folgt, so erhält man ein Big Picture der Situation. Daraus stellt sich die Frage der neuen Ausrichtung um den Adressaten (Kunde, Lieferant, Partner) selbst erfolgreich zu machen. Vor allem die Emotion, die zu mehr als 90% unsere Entscheidungen prägt, darf dabei nicht aus den Augen verloren werden. Ängste, Bedürfnisse und die jeweiligen Werte sind zu berücksichtigen. Aus diesem sehr komplexen kybernetischen Gefüge gilt es dann das eigene neue Selbstverständnis, sowie das neue Spielfeld zu definieren. Die dazu notwendige Reduzierung der Komplexität, unter Aufrechterhaltung der eigenen Identität, ist dabei eine der anspruchsvollsten Herausforderungen. Die morphologischen Ansätze von Fritz Zwicky, die auch bei der NASA zu Einsatz kommen, können als adäquates Hilfsmittel dienen. Doch die zentrale Rolle spielt dabei immer noch der Mensch, der die Transformation begleitet. Nehmen wir die Ehrausforderung an!

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