Was unterscheidet Plattformen von traditionellen Unternehmen?

14. Juli 2016
Stewart Charles Cohen / Getty Images

3. Teil: Bekanntes Geschäftsmodell

Dabei ist dieses Vermittler-Geschäftsmodell eigentlich gar nicht neu. Das Kreditkartenunternehmen Visa feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum; die Londoner Börse ist über 200 Jahre und der Große Basar in Istanbul mehr als 500 Jahre alt. Doch inzwischen arbeiten die Vermittler mit Turboantrieb - unterstützt durch moderne Technologien wie Cloud, Breitband, Mikroprozessoren und Software. Ohne mobiles Breitband, mobile Softwareplattformen und das Internet könnten Unternehmen wie Uber beispielsweise gar nicht existieren.

Diese turbobetriebenen Plattformen, die wiederum von anderen turbobetriebenen Plattformen unterstützt werden, treten gerade ihren Siegeszug rund um den Globus an und stampfen sowohl traditionelle Unternehmen als auch ältere Plattformen in Grund und Boden. Vor dem zerstörerisch-kreativen Ansturm dieses Tornados ist kein Unternehmen sicher.

In Kenia überrundet die mobile Zahlungsverkehrplattform M-PESA das herkömmliche Bank- und Kreditkartengeschäft zurzeit mit Siebenmeilenstiefeln. Rund 90% aller Erwachsenen nutzen diesen Service für ihre Überweisungen; viele wickeln auch Sparanlagen, Kredite und sonstige wichtige finanzielle Transaktionen über M-PESA ab.

Airbnb, ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel aufgetauchter Community-Marktplatz für die Buchung und Vermietung von Unterkünften, stellt mittlerweile eine große Herausforderung für die traditionellen Unternehmen der globalen Hotelbranche dar. Die Plattform umfasst 1,5 Millionen Zimmer und ist damit größer als Marriott.

Einstmals unangreifbare Plattformen wie Microsoft Windows befinden sich dagegen auf dem absteigenden Ast. Die PC-Umsätze sind im letzten Jahr um 10 Prozent zurückgegangen - eine Einbuße, in der sich der rapide Umstieg vieler Nutzer auf mobile App-Plattformen (zum Beispiel die mobilen Betriebssysteme und App-Stores iOS von Apple und Android von Google) widerspiegelt.

Ob Sie nun Investor oder Unternehmer, in einem traditionellen Unternehmen tätig oder Betreiber einer etablierten Plattform sind - Sie werden auf jeden Fall lernen müssen, wie das älteste Geschäftsmodell in seinem neuen, turbobetriebenen Gewand für Sie aussehen wird.

Wir sehen die Chancen dieser Vermittlungsplattformen mit Turboantrieb sehr optimistisch: Sie werden einen Sturm kreativer Zerstörung entfachen, der über unsere gesamte Wirtschaft hinwegfegen und einen großen sozialen Wert schaffen wird. Andererseits betrachten wir diese neue Entwicklung aber auch aus einer realistischen Perspektive: Die meisten Unternehmen, die sich an diesem neuen Geschäftsmodell versuchen, werden kläglich scheitern - und vorher eine Menge Geld in den Sand gesetzt haben. Einige der "Uber for"-Nachahmerplattformen werden Branchen revolutionieren; doch die meisten werden nach einiger Zeit wieder dicht machen, so wie Shuddle, der Fahrdienst für Kinder: Von ihnen wird nichts weiter übrig bleiben als "Uber für nichts und wieder nichts".


In unserem Schwerpunkt zum Thema digitale Marktplätze zeigen unsere Autoren, wie Plattformen funktionieren, wie sie ihr rapides Wachstum bewältigen und wie sich Unternehmen gegen die wilde Deregulierung durch Uber, Airbnb und Co wehren können.

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Zu den Autoren
David S. Evans ist Wirtschaftswissenschaftler, Berater und Unternehmer und hat auf dem Gebiet der neuen vielseitigen Plattformen bahnbrechende Forschungsarbeit geleistet. Er ist Koautor des Buches Matchmakers: The New Economics of Multisided Platforms.

Richard Schmalensee ist Howard W. Johnson-Professor für Management und Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology. Vorher war er neun Jahre lang Dekan an der Sloan School of Management am MIT und außerdem Mitglied des President’s Council of Economic Advisers. Zusammen mit David S. Evans hat er das Buch Matchmakers: The New Economics of Multisided Platforms verfasst.

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