Was unterscheidet Plattformen von traditionellen Unternehmen?

14. Juli 2016
Stewart Charles Cohen / Getty Images

2. Teil: Die Kostenlos-Kultur

Viele erfolgreiche Vermittler halten sich nicht an die Preisgestaltungsregeln, die jeder Betriebswirtschaftsstudent bereits in den ersten Semestern lernt: Sie verkaufen ihre Dienstleistungen so billig an eine Teilnehmergruppe, dass sie damit nicht einmal ihre Kosten hereinbekommen, und verschenken sie manchmal sogar oder bieten den Teilnehmern Belohnungen an. Die Google-Indexierung ist für Webseiten von unschätzbarem Wert; trotzdem bietet der Suchmaschinengigant sie kostenlos an. Dieses Phänomen ist auch bei vielen physische Plattformen zu beobachten: So erhalten Konsumenten beispielsweise eintrittsfreien Zugang zu Einkaufszentren; manche Einkaufspassagen locken die Käufer sogar mit kostenlosen Unterhaltungsangeboten an.

Die meisten größeren Vermittlungsplattformen unterscheiden sich auch noch durch eine weitere Eigenart von traditionellen Unternehmen: Sie verfügen über ein ausgeklügeltes System aus Verhaltensregeln und Sanktionen, um sicherzustellen, dass ihre Teilnehmer sich auch anständig benehmen. Im Jahr 2009 bestand die Belegschaft von Facebook zu 20 Prozent aus "Polizisten", die die Webseite nach unanständigen Inhalten durchsuchten. (Wir befürchten, dass der Prozentsatz solcher Web-Polizisten inzwischen viel geringer und das Problem sehr viel größer geworden ist.) Und dann gibt es natürlich auch noch das von Betroffenen so genannte "Google-Gefängnis", wo Webseiten, die den Suchalgorithmus von Google überlisten, ihre Strafe abbüßen müssen. Apple verhängt sogar Todesurteile über Apps, die die Regeln dieses Unternehmens verletzen oder die ihm einfach nicht sonderlich genehm sind.

Diese Vermittlungsplattformen umspannen mit ihren Tentakeln unser ganzes heutiges Wirtschaftsleben. Manchmal wird sogar eine neue Plattform auf einer bereits bestehenden etabliert. So ist Android beispielsweise eine Plattform für Nutzer, Programmierer und Handset-Hersteller. Die Plattform von Uber, die Fahrer und Mitfahrer miteinander in Kontakt bringt, läuft (ebenso wie das iPhone) über Android. Und zurzeit etabliert Uber auf seiner Plattform noch einen weiteren Vermittlungsservice zur Kontaktherstellung zwischen Kraftfahrern, Restaurants und Konsumenten, die Mahlzeiten zum Mittnehmen kaufen möchten.

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