Warum ständiges Mailchecken den IQ senkt

Multitasking:

Von Ron Friedman
9. September 2014
Getty Images

Angenommen, Sie lassen jedes Mal, wenn Ihnen ein Küchenartikel ausgeht - Olivenöl, Bananen, Papierservietten - alles stehen und liegen und fahren sofort in den Supermarkt. Wie viel Zeit würden Sie dadurch verlieren? Wie viel Geld würden Sie für Benzin verschwenden? Und wie würde sich dieses Verhalten auf Ihre Produktivität auswirken?

Uns allen ist klar, wie ineffizient ein solches Prozedere ist. Und doch gehen wir bei unserer Arbeit oft ähnlich unwirtschaftlich vor.

Warum schreiben wir Einkaufslisten und versuchen unsere Fahrten zum Supermarkt auf ein Mindestmaß zu beschränken? Weil auf der Hand liegt, wie viel es uns kosten würde, jedes Mal, wenn wir Appetit auf eine Tüte Kartoffelchips haben, einkaufen zu fahren. Welchen geistigen Preis wir dafür zahlen, wenn wir alles stehen und liegen lassen und uns mit etwas anderem beschäftigen, nur um unsere mentalen Gelüste zu befriedigen, ist uns leider nicht so klar.

Jedes Mal, wenn wir unsere E-Mails abrufen, während wir versuchen, einen Bericht zu lesen oder eine Präsentation zu erstellen, richten wir unsere Aufmerksamkeit von einer Aufgabe auf eine andere. Darunter leidet unsere Konzentration. Und wenn wir uns dann wieder unserer ursprünglichen Aufgabe zuwenden, müssen wir wertvolle geistige Ressourcen darauf verwenden, uns neu zu orientieren. Diese kleinen Verluste an Arbeitsenergie summieren sich mit der Zeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Wenn wir sehr stark in eine Aktivität vertieft sind, können sich schon kleine Ablenkungen sehr negativ auswirken. Laut einer Studie, die an der University of California-Irvine durchgeführt wurde, kann es im Durchschnitt 20 Minuten oder länger dauern, bis nach so einer Unterbrechung wieder hundertprozentig konzentriert die vorherige Arbeit erledigt.

Inzwischen haben viele Studien gezeigt, dass Multitasking ein Irrtum ist. Wenn wir uns einreden, erfolgreich zu "multitasken", tun wir in Wirklichkeit etwas ganz anderes: Wir wechseln blitzschnell zwischen verschiedenen Aktivitäten hin und her - auf Kosten unserer geistigen Klarheit und mentalen Energie. Das kann erstaunlich negative Konsequenzen haben. Ein an der University of London durchgeführtes Experiment hat gezeigt, dass wir ganze 10 IQ-Punkte verlieren, wenn wir uns durch scheinbar harmlose Unterbrechungen wie E-Mails oder SMS von der Arbeit ablenken lassen.

Das Problem dabei ist natürlich, dass Multitasking Spaß macht. Wer lässt sich nicht gerne von seiner Neugier leiten? Wer weiß, was die nächste Mail oder SMS oder das nächste Tweet an interessanten Neuigkeiten für uns bereithält. Das herauszufinden, schenkt uns ein sofortiges Gefühl der Befriedigung. Der Ablenkung zu widerstehen und bei unserer Arbeit zu bleiben, erfordert dagegen Disziplin und geistige Anstrengung.

Und doch kostet uns jedes Mal, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten, ähnlich viel wie eine Fahrt zum Supermarkt. Das ist das Bußgeld, das wir dafür zahlen müssen, wenn wir von einer Aktivität zu einer anderen wechseln, sagt Kreativitätsexperte Todd Henry . Denn dadurch verringert sich unsere Fähigkeit, qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten.

Seite
1
2
Artikel
Kommentare
1
kargo123 24.10.2014

Sehr hilfreich, danke! Besonders pflichte ich Ihnen in dem Punkt bei, dass das Problem bei Multitasking ist, dass es einfach Spaß macht. Menschen sind neugierig - und sobald man das Gefühl hat, dass sich im Posteingang bestimmt etwas getan hat, will man nachsehen - und wird in aller Regel gleich mehrfach belohnt. Und abgelenkt.

Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Nach oben