Was unterscheidet Spitzenmitarbeiter vom Durchschnitt?

Personal:

Von Jack Zenger und Joseph Folkman
17. April 2014
Corbis

Manche Mitarbeiter fragen sich: "Was muss ich eigentlich tun, um zu zeigen, was in mir steckt?" Vielleicht möchten sie einfach nur, dass ihre Vorgesetzten die Wichtigkeit ihrer Arbeit anerkennen. Oder sie haben den Ehrgeiz, ins Management aufzusteigen. Möglicherweise haben ihnen Führungskräfte signalisiert, dass sie ihre Arbeit gut machen - und ihnen den Rat gegeben: "Weiter so!" Trotzdem müssen diese Leute immer wieder erleben, dass nicht sie, sondern andere die nächste Beförderung erhalten.

Wir wollten feststellen, worin sich wahre Spitzenkräfte von kompetenten, aber eben nicht herausragenden Mitarbeitern unterscheiden. Dazu haben wir mehr als 50286 360-Grad-Beurteilungen zusammengetragen, die insgesamt 4158 Arbeitskräfte in den vergangenen fünf Jahren erhalten haben. Dann verglichen wir die "guten" Leute (deren Bewertungen im 40. bis 70. Perzentil lagen) mit den "besten" Mitarbeitern (90. Perzentil oder höher). Das Erste, was uns dabei auffiel, war der große Unterschied in der Produktivität, der in der unten stehenden Grafik klar zu erkennen ist.

Durch welche Führungsqualitäten heben sich die besten von den einfach nur guten Mitarbeitern ab? Hier sind sie, und zwar in der Reihenfolge ihrer Unterscheidungskraft. Exzellente Arbeitskräfte haben folgende Eigenschaften:

Sie setzen sich hochgesteckte Ziele und erwarten viel von sich selbst. In der Gesamtschau war diese Eigenschaft das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Die besten Arbeitskräfte setzten sich Ziele, die weit über dem lagen, was andere für möglich gehalten hätten - und erreichten sie auch. Außerdem ermutigten sie ihre Kollegen dazu, ebenfalls überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen. Doch als wir die Bewerter aufforderten, uns die vier wichtigsten Eigenschaften eines Mitarbeiters zu nennen, erwähnte nicht einmal einer von zehn hochgesteckte Ziele. Offenbar unterscheiden hohe Zielsetzungen die Spitzenmitarbeiter also gerade deshalb vom Durchschnitt, weil sie von ihnen nicht unbedingt erwartet werden.

Die weniger effektiven Mitarbeiter stapeln gerne tief: Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass sie sich, wenn sie hervorragende Arbeit leisten und diese womöglich auch noch schnell erledigen, im Endeffekt nur noch mehr Arbeit aufhalsen. Sie befürchten, dass ihre Chefs ihnen so lange weitere Aufgaben aufbürden werden, bis sie diese irgendwann nicht mehr bewältigen können. Das ist sicherlich ein Problem für diese Mitarbeiter - aber auch für die Unternehmen, die kein Interesse daran haben, leistungsstarke Arbeitskräfte für ihr Engagement auch noch zu bestrafen.

Sie arbeiten gut mit anderen zusammen . Als wir die Teilnehmer in unserer Untersuchung fragten, was ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines Mitarbeiters seien, nannten sie an erster Stelle "die Fähigkeit, Probleme zu lösen". An zweiter Stelle kam für sie "technische oder fachliche Kompetenz". Daher ist es wohl kein Wunder, dass sowohl durchschnittliche als auch überdurchschnittliche Mitarbeiter diese elementaren Fähigkeiten besaßen. An dritter Stelle auf der Liste stand jedoch "die Fähigkeit, kooperativ mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten und Teamarbeit zu fördern". Und in diesem Charakterzug unterschieden sich die Spitzenkräfte durchaus von denjenigen, die einfach nur kompetent waren.

Vielen Mitarbeitern ist es wichtig, eigenständige Leistungen zu erbringen. Manche glauben, dass ihr Beitrag dann eher auffallen würde. Vielleicht denken sie an Erfolgserlebnisse in ihrem Studium zurück: Damals konnten sie sich unter ihren Kommilitonen auszeichnen, indem sie gute Noten erhielten. Aber leider ist ihnen nicht klar, dass das Hauptziel einer Organisation darin besteht, durch Zusammenarbeit mehr Wert zu schöpfen als es jedem Einzelnen möglich wäre, wenn er außerhalb des Unternehmens allein vor sich hinwerkeln würde.

Sie sind bereit, ihre Gruppe nach außen hin zu vertreten . Die besten Mitarbeiter konnten ihr Team anderen Abteilungen oder Unternehmenseinheiten gegenüber hervorragend repräsentieren. Wenn Sie sich also von der großen Masse Ihrer Kollegen abheben möchten, haben Sie den Mut und nehmen Sie die zusätzliche Mühe auf sich, ihre Gruppe nach außen hin zu vertreten. Dadurch gewinnen Sie Anerkennung und die Möglichkeit, sich mit wichtigen Leuten in Ihrem Unternehmen zu vernetzen. Außerdem ist es eine wertvolle Lernerfahrung.

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