Was unterscheidet Spitzenmitarbeiter vom Durchschnitt?

17. April 2014
Corbis

2. Teil: Initiative ergreifen

Sie freuen sich über Veränderungen, statt sich dagegen zu wehren. Eine unserer Klientinnen erklärte uns, die mittlere Managementebene ihres Unternehmens sei "wie eingefroren": Alle diese Manager hätten Angst vor Veränderungen und wehrten sich deshalb dagegen. Wandel ist für jeden Menschen schwierig. Aber ohne ihn kann kein Unternehmen überleben. Die besten Mitarbeiter lassen sich schnell und bereitwillig auf Veränderungen ein, und zwar sowohl in ihrer Taktik als auch in ihrer Strategie.

Sie ergreifen die Initiative. Viele Beschäftigte verfallen - aufgrund der Rolle, die sie in ihrem Unternehmen spielen - mit der Zeit in ein ganz bestimmtes Verhaltensmuster: Sie warten einfach darauf, dass ihnen jemand sagt, was sie tun sollen. Herausragende Mitarbeiter hingegen gewöhnen sich an, zu allem ihre Meinung beizusteuern und überall mitzuhelfen, wo sie können. Gehen Sie in Gedanken einmal die Projekte oder Programme durch, die in Ihrem Unternehmen zurzeit laufen: Welche davon haben Sie entscheidend geprägt? Wer Initiative zeigen will, muss mehr tun, als einfach nur seine derzeitige Aufgabe gut zu erledigen.

Sie reden nicht nur, sondern handeln auch. Manchen Menschen fällt es sehr leicht, etwas zu versprechen und hinterher nicht mehr daran zu denken. Die meisten Leute halten so etwas einfach nur für Vergesslichkeit. Wir sind da anderer Meinung: In unseren Augen ist das unehrliches Verhalten. Wenn Sie sich zu etwas verpflichten, sollten Sie es auch einhalten - es sei denn, es kommt etwas dazwischen, worauf Sie wirklich keinen Einfluss haben. Die besten Mitarbeiter achten darauf, keine leeren Versprechungen abzugeben. Das macht sie zu ausgezeichneten Vorbildern. Für diese Eigenschaft erhielten die 4158 Beschäftigten, die wir analysiert hatten, insgesamt die höchsten Punktzahlen. Sich an Zusagen zu halten, ist also das Mindeste, was man tun sollte. Exzellente Mitarbeiter gehen sogar noch weit darüber hinaus, indem sie peinlich genau darauf achten, auch wirklich immer alles zu tun, was sie versprochen haben.

Sie durchdenken alles genau. Wenn sie sich in einer fachlichen Frage nicht ganz sicher sind oder nicht genau wissen, ob ein Vorschlag auch praktikabel ist, recherchieren die besten Mitarbeiter genau nach, statt sich nur auf ihr Urteilsvermögen zu verlassen. Auf der Unternehmensebene, die wir untersuchten, haben die Arbeitnehmer zwar nur wenig zu entscheiden. Aber dafür können ihre Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben. Hervorragende Mitarbeiter sind vielen Lösungsmöglichkeiten gegenüber aufgeschlossen. Sie denken gründlich darüber nach, wer und was davon betroffen sein wird, wenn etwas schiefgehen sollte.

Sie haben ein dickes Fell. Niemand hat immer Recht. Jeder erlebt ab und zu Enttäuschungen, Misserfolge oder Rückschläge. Die besten Mitarbeiter geben es bereitwillig zu, wenn sie einmal etwas falsch gemacht haben. Danach gehen sie wieder zur Tagesordnung über. Wenn anderen Fehlern unterlaufen, sind sie nicht nachtragend. Kränkungen und verletzende Bemerkungen ihrer Mitmenschen ignorieren sie. Sie haben begriffen: Es schadet dem eigenen Ansehen nicht, einen Fehler zu machen. Vielmehr leidet die Reputation dann, wenn man ihn nicht eingesteht und nicht bereit ist, daraus zu lernen.

Sie geben ehrliches Feedback. Die meisten Leute sind - richtigerweise - der Ansicht, dass es zu den Aufgaben eines Managers gehört, Feedback zu geben. Aber von Mitarbeitern erwarten sie das normalerweise nicht. Und genau deshalb können Sie sich mit solchem Verhalten profilieren. Selbst wenn es nicht perfekt ist, kann Feedback von einem Kollegen sehr wertvoll sein - eben weil es so selten vorkommt. Also erklären Sie Ihren Bürokollegen ruhig, wie Sie an eine bestimmte Aufgabe herangehen würden. Weisen Sie taktvoll auf Fragen oder Probleme hin, an die sie vielleicht nicht gedacht haben, oder erzählen Sie ihnen, womit ein Kollege Ihnen besonders weitergeholfen hat oder welches Verhalten Sie eher irritierend fanden. Wenn das Feedback ehrlich gemeint ist, werden es die anderen sehr zu schätzen wissen. In unserer Untersuchung konnten die besten Mitarbeiter derartige Rückmeldungen so formulieren, dass sie nicht als Kritik, sondern als Zeichen guten Willens aufgefasst wurden.

Wenn Sie sich von der Masse abheben möchten, dann sollten Sie diese neun Verhaltensweisen beherzigen. Dadurch werden Sie einen sehr positiven Eindruck in Ihrem Unternehmen hinterlassen. Wir raten Ihnen: Wählen Sie am besten ein oder zwei Fähigkeiten aus, die für Ihre Effektivität bei Ihrer jetzigen Aufgabe besonders wichtig sein könnten, und versuchen Sie sich darin zu verbessern. Vielleicht sollten Sie zunächst Ihren Chef oder Ihre Kollegen fragen, wie gut Sie die neun Kernkompetenzen zurzeit beherrschen. Dadurch gewinnen Sie nicht nur neue Erkenntnisse: Wenn Sie anderen erzählen, dass Sie an sich arbeiten wollen, werden Sie sich auch eher an Ihren Plan halten. Und wenn Ihre Vorgesetzten wissen, in welcher Hinsicht Sie sich weiterentwickeln möchten, finden sie vielleicht auch Aufgaben für Sie, die Ihnen dabei helfen.

Als Führungskraft sollten Sie Ihre Mitarbeiter immer wieder coachen. Sie sollten sie dabei dazu anspornen, sich mehr von den Verhaltensweisen zu eigen zu machen, mit denen sie sich profilieren können. Damit tun Sie etwas für die Karriere Ihrer Mitstreiter und verhelfen ihnen gleichzeitig dazu, noch wertvoller für ihr Unternehmen zu werden, als sie es ohnehin schon sind.

Zum Autor
Jack Zenger und Joseph Folkman führen gemeinsam eine Beratung für Führungskräfteentwicklung. Sie sind die Autoren des HBM-Artikels "Machen Sie sich unentbehrlich" und des Buches "How to Be Exceptional: Drive Leadership Success by magnifying Your Strenghts"

Seite
1
2
Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Die neuesten Blogs
Nach oben