Wie Philosophie Sie zum besseren Manager macht

Selbstmanagement:

Von David Brendel
13. Oktober 2014
Getty Images

Führungskräftecoaching und -entwicklungsprogramme dienen normalerweise dem Ziel, etwas am Verhalten der Manager zu ändern: Sie sollen kontraproduktive Verhaltensweisen erkennen und verändern und stattdessen Vorgehensweisen entwickeln, die Manager effektiver Mitarbeiter führen lässt. Aber was ist mit den inneren Überzeugungen und Wertvorstellungen, die hinter dem Verhalten eines Managers stecken?

Bei einer typischen Coaching-Sitzung geht es in erster Linie um die Vorteile einer Verhaltensänderung und nicht darum, wie sinnvoll es sein kann, einmal in sich hineinzuschauen und über seinen Charakter und seine Überzeugungen nachzudenken. In unserer schnelllebigen und technologiegetriebenen Geschäftswelt ist das vielleicht auch kein Wunder: Wenn alle Leute sofortige Resultate erwarten (und auch dafür bezahlen), bleibt nur wenig Zeit zum Innehalten und Nachdenken. Obwohl den meisten Menschen immer bewusster wird, was für Vorteile Introversion und Achtsamkeits-Aktivitäten (beispielsweise Yoga und Meditation) bringen, werden Selbstreflexion und das Nachdenken über philosophische Fragen - zum Beispiel über Wertvorstellungen, positive Charaktereigenschaften und Weisheit - nach wie vor weitgehend vernachlässigt. In Führungskräftecoaching und -entwicklungsprogrammen geht es nur selten darum, was für einen Nutzen es bringt, sich über seine philosophische Weltanschauung klarzuwerden. Und dabei häufen sich mittlerweile die Beweise dafür, dass man sich sehr viel mehr um dieses Thema kümmern sollte.

Dafür sprechen zumindest neurowissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Selbstreflexion. Ein jüngeres Beispiel aus der Zeitschrift BMC Neuroscience: Bei Studienteilnehmern wurde ein wichtige Hirnregion aktiviert (nämlich der vordere cinguläre Kortex (ACC)), sobald sie sich Aufgaben widmeten, die Selbstreflexion erforderten. Wie die Wissenschaftler dieser Studie erklären, spielt der ACC deshalb eine so wichtige Rolle, weil er "Diskrepanzen zwischen dem tatsächlichen und dem erwünschten Zustand erkennen", "eine Integration und Evaluation emotionaler, motivationaler und kognitiver Informationen vermitteln" und "die Aufmerksamkeit modulieren" kann. Mit anderen Worten: Wenn man durch Selbstreflexion seinen ACC aktiviert, kann sich das positiv auf den geschäftlichen Erfolg auswirken, denn so können Führungskräfte sich über ihre Wertvorstellungen und strategischen Ziele klarwerden, Informationen zusammenführen, um diese Ziele zu erreichen, und wirksame Aktionspläne durchführen.

Philosophische Beratung

Aber natürlich finden die meisten Selbstreflexionsprozesse nicht im Labor statt - man muss sie schon in die Führungsetagen von Unternehmen und an andere berufliche Situationen übersetzen. Die "philosophische Beratung" ist eine sehr interessante Chance hierfür, denn sie ermöglicht einen intensiven und fokussierten Auseinandersetzung mit solchen Themen. Dabei handelt es sich um eine immer mehr an Bedeutung gewinnende, internationale Bewegung, die rational denkenden, geistig gesunden Menschen dabei hilft, sich angesichts von Veränderungen und Herausforderungen über ihre Weltsicht und ihre Zielsetzungen klarzuwerden. Zu diesem Zweck führen philosophische Berater und deren Klienten strukturierte Gespräche, in denen Selbstreflexion über eigene Ziele und Wertvorstellungen eine wichtige Rolle spielt. Die philosophische Beratung stützt sich auf die Lehren alter östlicher und westlicher Philosophen (von Sokrates bis Konfuzius), aber auch zeitgenössischer Denker, unterstützt Menschen bei der Entwicklung ihrer persönlichen Lebensphilosophie und befähigt sie dazu, ihre höchsten menschlichen Ziele und Ideale zu verwirklichen.

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diebickenb 14.10.2014

Keine wirkliche Überraschung. Vor einigen Jahren wurde ich auf einer Podiumsdiskussion einmal gefragt, was Sozialwissenschaftler in Unternehmen besonderes einbringen können. Meine These: Orientierungswissen. Sie können zur Orientierung beitragen, weil sie soziale Theorien kennen - vorausgesetzt, sie schaffen es, dieses Wissen zu operationalisieren. Den Beweis haben wir dann anschließend im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität geliefert. Wir haben theoretische Vorlieben der Studenten mit betrieblicher Realität konfrontiert und unter dem Blickwinkel des jeweiligen Theorieansatzes betriebliche Probleme bearbeitet. Das Luhmanns Systemtheorie hier wirksam ist, ist angesichts der Heerscharen systemischer Coaches, Trainer und Berater nicht wirklich verwunderlich. Aber hätten Sie gedacht, dass der marxistische Regulationansatz eines Michel Aglietta und der Werkstattleiter eines großen Logistik-Dienstleisters miteinander warm werden können. Hat funktioniert. Hatte natürlich auch seine Grenzen - war aber für alle Beteiligten ein spannendes Experiment.

mayconsult 16.10.2014

Ein Artikel, den ich persönlich ansprechend finde. Sind Philosophen die besseren Manager? Dazu habe ich eine zwiespältige Antwort. Ja, weil so die Analyse des Problems leichter fallen kann und man sich seines eigenen 'Blinden Flecks' bewusster wird (Johari-Fenster). Allerdings könnte die Philosophie auch Zweifel beim Manager am Sinn seines Tuns befördern. Sind Philosophen auch Macher? Wohl eher nicht. Jedoch ist der im Artikel benannte Sokrates eine Ausnahme. Ich habe ihn ebenfalls als Beispiel in einem kurzen Ratgeber gewählt, weil er einer der Leuchttürme der Geschichte ist und, was die meisten nicht wissen, ein hervoragender Soldat war. Wer mag, hier ein Link zur kostenlosen PDF 'Pack doch deinen Rucksack selbst', der universelle Einsichten zur Lebensgestaltung anbietet, denn gerade junge Menschen werden ungeahnte Dinge erleben http://mayconsult.files.wordpress.com/2014/02/pack-doch-deinen-rucksack-selbst-i.pdf

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