Warum die Markteinführung an Bedeutung verliert

Neue Produkte:

Von Tim Brown
3. November 2015
Getty Images

Bill Buxton, ein Pionier bei der Gestaltung von Benutzeroberflächen, erklärt in seinem Buch "Sketching User Experiences", dass hinter dem "plötzlichen Erfolg" des iPod drei Jahre Vorbereitung stecken. Er dokumentiert die vielen Designänderungen, die Apple nach der Markteinführung vorgenommen hat und ohne die das Produkt heute nicht so erfolgreich wäre.

Dieses Beispiel zeigt: Gute Designer wissen, dass sie bei einer neuen Plattform zuerst für die nötige Akzeptanz sorgen müssen, bevor sie neue Funktionen entwickeln können. Als Jeff Hawkins den Palm-Pilot entwickelte, den ersten Personal Digital Assistant der Welt, bestand er darauf, dass das Gerät nur drei Funktionen hatte: Kalender, Kontakte und Notizen. Er war der Meinung, mehr würde die Nutzer nur verwirren. Mit der Zeit kamen aber deutlich mehr Features hinzu, und als es so weit war, konnten die Nutzer auch damit umgehen. Der erste iPod startete mit einem extrem einfachen Slogan: "1000 Songs in der Hosentasche". Der iTunes Store, Fotos, Spiele und Apps folgten erst später, als die Nutzer die Plattform bereits angenommen hatten und bereit waren für mehr Komplexität.

Schrittweise vorgehen

Je weiter Strategien und große Systeme in den Mittelpunkt des Design Thinkings rücken, desto wichtiger wird die Erkenntnis, dass die eigentliche Markteinführung nur einer von vielen Schritten ist, um ein neues Konzept zu etablieren. Davor gehen die Designer in frühen Gesprächen mit den späteren Nutzern und mit den Entscheidern auf die wachsende Komplexität ein. Sie führen bewusst eine vereinfachte Version ein, die sich später in Abhängigkeit von der Reaktion der Nutzer weiterentwickelt. Schrittweise Verbesserungen und eine ausdrücklich aktive Rolle der Nutzer spielen eine zentrale Rolle für das Umsetzungsdesign.

Mit neuen Informations- und Computertechnologien wird es noch erheblich einfacher werden, auch von komplexen Innovationen frühe Prototypen zu erarbeiten und von einem noch breiter angelegten Nutzerkreis Feedback einzuholen. In dieser neuen Welt steht die Markteinführung eines neuen Designs nicht mehr im Mittelpunkt. Sie ist nur noch ein kleiner Schritt irgendwo in der Mitte eines sorgfältig konzipierten Umsetzungsprozesses.


Selbst fahrende Autos? Ein neues Schulsystem? Wer Design nicht nur als physischen Prozess, sondern als Denkansatz begreift, kann wirklich große Herausforderungen in Angriff nehmen. Wie das geht, beschreiben IDEO-Chef Tim Brown und der Wissenschaftler Roger Martin im Heft 11/2015.


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Zum Autor
  • Tim Brown ist Chef der internationalen Designberatung Ideo. Das Unternehmen gilt als Vorreiter bei der Anwendung des Design-Thinking-Konzepts.

    Roger Martin ist Professor und ehemaliger Dekan an der Rotman School of Management und einer der Autoren von "Getting Beyond Better" (Harvard Business Review Press 2015) und "Playing to Win" (Harvard Business Review Press 2013).

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