Warum Arbeit Spaß machen darf

Positive Psychologie:

Von Tobias Illig
21. Februar 2017
Getty Images

Startups und hippe Internetunternehmen machen es uns vor. Ihnen sind die Mitarbeiter nicht egal. Ganz im Gegenteil. Sie sind besorgt um deren Wohlergehen, Produktivität und Wachstum. Seit langem installieren sie im Silicon Valley ihren sog. "Feel-Good-Manager" oder auch einen "Chief Happiness Officer". Die Feel-Good-Manager und Chief Happiness-Officers kommen im ersten Moment für Babyboomer wie Business-Clowns rüber. So etwas gab es früher nicht. Wozu braucht man es heute? Was der Babybommer eben nicht kennt, lehnt er erst mal ab. In diesem Zuge hat der Boom-Vertreter Reinhard Sprenger einen Artikel über diese "Scheinheiligen Glücksbringer" veröffentlicht. Dass die Babyboomer tatsächlich wenig vom Fach verstehen, wurde in dem Artikel deutlich. Wenn am Arbeitsplatz auf einmal "Gamification" einzieht, verstehen die Babyboomer nämlich wirklich keinen Spaß. Doch genau darum geht es: Das Ganze soll Spaß machen, Sinn erzeugen und die Bindung untereinander und an das Unternehmen fördern. Schließlich - und da dürfen wir uns nichts vormachen - geht es letztendlich immer um Leistung. Motiviert sein, um die maximale Produktivität zu erzielen. Begeistert, weil die eigene Arbeit einem größeren Sinn zuarbeitet.

Positive Psychologie als Nährboden

Ihren Ursprung hat die Wohlfühl-Welle in der Positiven Psychologie. Die Grundidee ist schnell erzählt. Der US-amerikanische Psychologie-Professor Martin Seligman, der für sein Konzept der Erlernten Hilflosigkeit international bekannt wurde, berichtet von einer Begebenheit mit seiner Tochter: Sie sind beide im Garten, als die Tochter zu "Marty" sagt: Warum bist Du immer so grummelig? Wenn Du grummelig sein kannst, kannst Du bestimmt auch fröhlich sein." Das hat bei Seligman einen Schalter umgelegt, der in der Psychologie einen neuen Blickwinkel eröffnet hat. Ging es bislang ausschließlich um Negatives (Depression. Pathologie, Deviantes (von der Norm abweichendes) Verhalten, so sollte in der Positiven (!) Psychologie der Fokus auf das Gute, Schöne, Funktionierende, Vitale gerichtet werden. Es ging auf einmal um "Human Flourishing", um Stärken statt Schwächen, um "Thriving" statt "Languishing" und vieles mehr. Die Bewegung hat mittlerweile mehrere internationale Kongresse veranstaltet, einen immens mitgliederstarken Weltverband (IPPA) und publiziert kontinuierlich neue Forschungsergebnisse.

Betrieblich relevant

Für das Thema Feel-Good-Manager sind die organisationsbezogenen Forschungsstränge relevant. Mit der Publikation des Oxford Handbook of Positive Organizational Scholarship (2011) ist die Bewegung seit Jahren in der Welt angekommen. Und aus dieser überaus erfolgreichen Wissenschaftsnische haben sich zahlreiche Konzepte, Ansätze, Methoden für die Praxis in Organisationen herausgebildet: Appreciative Inquiry (eine Methode, die in Organisationen das Positive sucht und verstärkt), Strengths Based Leadership (Führung, die sich auf Mitarbeiterstärken fokussiert), Positive Leadership (deutlich an Kultur und sozialen Netzwerken interessierte Führung) oder Stärkencoaching (an der Einzelperson orientiertes Coaching, das die guten Seiten einer Person pusht), usw. Der Feel-Good-Manager ist also gut situiert in angesehen, etablierten Forschungszweigen, die international geerdet sind.

Die Aufgabengebiete der guten Seele im Betrieb

Hier gibt es auch keine Einheitsberufsbeschreibung. Standardisierungen passen nicht zum Konzept. Jedes Unternehmen macht das anders. Der Feel-Good-Manager sorgt sich darum, dass es den Leuten gut geht und dass sie Leistung bringen können. Er organisiert Betriebsausflüge (Events), organisiert im Hochsommer Eis für die Mannschaft, manche betreiben Sport- und Fitnessprogramme und gehen in der Mittagspause gemeinsam joggen (betriebliches Gesundheitsmanagement), frühstücken zusammen (Teambuilding), organisieren - besonders bei internationalen Teams - Aufenthaltsgenehmigungen, Kita-Plätze, Sprachkurse, etc. (HR-Funktion), andere bieten Schulungen und Workshops zur Verbesserung der Kultur an (Kulturentwicklung). Es ist also ein äußert vielfältiges Berufsbild.

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Kommentare
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MarcoHass 22.02.2017

Lach, warum unterstellen sie Stadtwerken und Müllabfuhren andere Bedürfnisse? Sollten hier eingebrannte Weltsichten beim Autor vorliegen? Doch weit über 95% der Unternehmensleitungen denken ebenso eingefahren oder haben noch nicht einmal einen Gedanken in diese grobe Richtung gedacht (und das ganz ohne Absicht). Noch nie gab es so viele offene Stellen wie heute. Spätestens dann, wenn Aufträge wegen Personalmangel abgesagt werden müssen, werden alle "mal eben schnell" diese Art von Programmen auflegen. Dann ist es zu spät. Die Wirkung, die Einführung und Veränderungen benötigen schlichtweg 2-3 Jahre.

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