Von der NASA lernen

Innovation:

26. Juli 2018
Getty Images/EyeEm

Open Innovation gilt heute als unverzichtbar für fortschrittliche Unternehmen. Doch warum hört man so wenig von erfolgreichen Technologien, Produkten oder Dienstleistungen, die mit Unterstützung externer Kreativer entwickelt wurden? Dieser Frage ist Hila Lifshitz-Assaf von der New Yorker Stern School of Business nachgegangen. Drei Jahre lang begleitete sie die Abteilung Life Sciences der NASA.

Die US-Raumfahrtbehörde stößt Innovationen einerseits auf traditionelle Weise an, indem sie ihre Ingenieure zusammenarbeiten lässt. Andererseits bespielt sie Open-Innovation-Plattformen, bei denen externe Experten nach neuen Lösungen suchen. Doch als die NASA versuchte, die Ideen der Crowd umzusetzen, stieß sie auf Widerstand bei einigen ihrer angestellten Wissenschaftler und Ingenieure. Diese kritisierten Prozesse, Budgets und verfahrenstechnische Probleme. Auch nachdem Führungskräfte alle Hürden beseitigt hatten, hielten die Spannungen an.

Was war da los? Es dauerte Monate, bis Lifshitz-Assaf und ihre Mitstreiter dem eigentlichen Problem auf die Spur kamen: Für die widerspenstigen Mitarbeiter bedeuteten Open-Innovation-Methoden eine fundamentale Bedrohung ihres beruflichen Selbstbilds. Sie definierten sich selbst als Problemlöser, doch die Crowdsourcing-Plattformen ließen sie diese Rolle nicht mehr spielen. Stattdessen mussten sie Probleme so umformulieren, dass andere sie lösen konnten. "Ich habe mich immer von Orten angezogen gefühlt, an denen ich denken und große Probleme lösen kann", erklärte ein Wissenschaftler. "Wenn ich das bei der NASA nicht mehr kann, dann hält mich nichts mehr hier." Solche Identitätskrisen ihrer Mitarbeiter sind für Manager oft nur schwer erkennbar.

Die NASA ging das Problem an, indem sie Wissenschaftler und Ingenieure auf das höhere Ziel ihrer Arbeit einschwor - in diesem Fall auf die Marsmission. Und sie definierte den Sinn der Open-Innovation-Methode neu: als Werkzeug, mit dem sich die Mission schneller erfüllen lässt. Ein Wissenschaftler formulierte es so: "Am Ende steht das große Ziel gegen das persönliche. Aber in der Wissenschaft geht es darum, die Wahrheit zu finden."

Quelle: Hila Lifshitz-Assaf: "Dismantling Knowledge Boundaries at NASA: The Critical Role of Professional Identity in Open Innovation", Dezember 2017


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