Vier Regeln für gute Arbeitsplätze

Arbeitswelt:

Von Zeynep Ton
29. Mai 2018
Getty Images/Blend Images

Es gibt Millionen Jobs in Geschäften, Restaurants, Callcentern, Kindergärten und in der Pflege. Aber die allermeisten sind mies - und das schon seit Jahrzehnten. Die Bezahlung ist schlecht, Zusatzleistungen gibt es kaum, und Karrieremöglichkeiten sind die absolute Ausnahme.

Nach gängiger Meinung ist all das der Preis, der für möglichst kostengünstige Dienstleistungen gezahlt werden muss. Aber das stimmt nicht. Und einige Unternehmen haben das inzwischen begriffen. Ihnen ist klar geworden, dass die Art und Weise, wie sie ihre Geschäfte führen, auf lange Sicht nicht mehr funktionieren wird. Vor allem wenn sie ihre Mitarbeiter behandeln, als wären sie jederzeit ersetzbar.

Fokus und Vereinfachung: Entscheiden Sie sich, bei welchen Herausforderungen Sie Ihren Kunden helfen wollen. Sortieren Sie überflüssige Produkte aus, verzichten Sie auf Promotion-Aktionen und Dienstleistungen, um die Kundenzufriedenheit und die Produktivität der Mitarbeiter so weit wie möglich zu erhöhen. Vermeiden Sie, wo immer es geht, Veränderungen bei Lieferterminen und Sonderverkäufen. Die Fokussierung und Vereinfachung ermöglicht höhere Löhne, verlässlichere Arbeitspläne und steigert die Motivation der Mitarbeiter. Zudem verbessert sie den Kundenservice, führt zu mehr Verkäufen und senkt die Kosten für Unternehmen.

Standardisierung und Entscheidungsspielräume: Standardisieren Sie Routineprozesse. Dazu gehören das Entladen von Lastwagen, das Einräumen von Regalen oder etwa Reinigungsarbeiten. Lassen Sie sich bei der Überarbeitung dieser Prozesse von den jeweiligen Mitarbeitern unterstützten. Und geben Sie ihnen Entscheidungsspielräume, die sie brauchen, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Geben Sie der Belegschaft die Chance, ihr Wissen einfließen zu lassen. Etwa wenn es um die Höhe von Lagerbeständen geht. Oder darum, welche Produkte vorgehalten und wie sie präsentiert werden sollten. Aber auch, um Lösungen für Kundenprobleme zu finden. Standardisierung treibt die Effizienz, während größere Spielräume die Motivation steigern und den Mitarbeitern helfen, höhere Verkäufe zu erzielen. Mehr Input von den Mitarbeitern erhöht die möglichen Löhne.

Übergreifende Aus- und Weiterbildung: Bilden Sie Ihre Mitarbeiter so aus, dass sie sowohl Aufgaben mit Kontakt zum Kunden als auch solche ohne direkten Kundenkontakt erfolgreich bewältigen können. So erhöhen Sie die Einsatzmöglichkeiten in Stoßzeiten und ruhigen Phasen. Trainieren Sie Ihre Leute dabei so, dass sie sich verantwortlich fühlen und spezialisieren können. Übergreifende Aus- und Weiterbildung führt zu verlässlicheren Arbeitseinsätzen, besserer Arbeit im Team und mehr Kundennähe. Nicht zuletzt erhöht sie die Produktivität, weil die Mitarbeiter auch in Zeiten sinnvoll eingesetzt werden können, in denen sie in ihrer Hauptaufgabe wenig gefordert sind.

Mit Personalpuffern arbeiten: Statten Sie Ihre operativen Einheiten mit mehr Arbeitsstunden aus, als eigentlich gebraucht werden. So stellen Sie sicher, dass Sie auch in Stoßzeiten gut aufgestellt sind. Mit Puffer zu arbeiten ermöglicht es dem Personal, seine Aufgaben ohne Fehler zu erfüllen, tollen Kundenservice zu bieten sowie Verbesserungsvorschläge zu entwickeln und zu kommunizieren. Firmen, die Personalpuffer vorhalten, fällt es leichter, die Kosten zu senken und gleichzeitig immer weiter an Verbesserungen zu arbeiten.


Mehr zur Good-Jobs-Strategie schreibt Zeynep Ton in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.


Endlich Erfolg mit Change-Management


Kleiner Tipp: Die Umsetzung ist nicht das Problem. Das Geheimnis liegt in der Vorbereitung.


Die Autorin
    Zeynep Ton ist außergewöhnliche Professorin der Operations Management Group an der MIT Sloan School of Management. Ton gehört zu den Gründern des Good Jobs Institute in Cambridge.
Artikel
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