Ändern Sie Ihre Kultur - möglichst schnell!

Innovation:

4. Dezember 2013

Der Ton macht die Musik: Unternehmenskultur als Innovationsmotor
DPA

Der Ton macht die Musik: Unternehmenskultur als Innovationsmotor

Kultureller Wandel kann mühevoll sein. Meist dauert es Jahre, eine Kultur (lose definiert sind das die eingebürgerten Überzeugungen und Normen, die darüber bestimmen, "wie wir hier arbeiten") zu ändern, so die gängige Meinung. Bisher nutzen nur wenige Organisationen das Konzept der Kultur gezielt als Methode, um ihre geschäftliche Entwicklung voranzubringen, stattdessen herrscht die Meinung vor, dass sich allein der Versuch, die Kultur zu wandeln, sich schon nicht lohnen würde. Vielmehr hofft man, dass mit der Änderung von Prozessen, sich allmählich auch die Kultur wandelt.

Mittlerweile aber stellen führende Organisationen diese alte Weisheit auf den Kopf. Zum Beispiel Trane North America, eine Tochtergesellschaft von Ingersoll Rand mit einem Umsatz von acht Milliarden Dollar, die Systeme für Heizung, Lüftung, Klima und Gebäudemanagement verkauft. Das Unternehmen hat schnelle Erfolge erzielt, indem es sein Kultur veränderte.

Jason Bingham, Vice President bei Trane North America und Autor des Buches "Cultureship: The ABCs of Business Leadership", erklärte mir die Grundlagen des Vorgehen:

Um den aktuellen Stand der eigenen Kultur zu erfassen, arbeitete Trane mit einer Kombination von Befragungen zur Kultur im Haus und zur Mitarbeiter-Motivation. Diese lieferte die Grundlage für eine Diskussion darüber, welche Kultur gewünscht sei. Als erstes werden dabei Gebiete mit Stärken identifiziert, etwa Kundenorientierung, dann Bereiche mit Verbesserungspotenzial wie zum Beispiel Teamwork. Die für die Zukunft angestrebte Kultur wird schließlich aus drei Hauptelementen zusammengesetzt:

- Vision: Wohin die Organisation als Ganzes gelangen möchte.

- Mission: Was alle zusammen tun.

- Leitendes Verhaltensprinzip: Wie sich alle Mitarbeiter verhalten sollen.

Wichtig ist dabei eine klare Verbindung zwischen der Zielkultur und der übergreifenden Strategie des Unternehmens. Auf der Grundlage einer klaren Vorstellung von angestrebter Kultur und Verhaltensweisen können Führungskräfte Mitarbeiter dann mit ihrem eigenen Verhalten bewusster und effektiver beeinflussen. Dabei hilft auch das Prinzip ARM (Allow, Reward, and Model - Erlauben, Belohnen und Formen).

Im Rahmen der Befragungen werden zudem bestimmte Büros identifiziert, die als führend angesehen werden, sowie solche, die hinsichtlich der Kultur noch zu wünschen übrig lassen. Interessanterweise beobachtet Trane eine sehr starke Korrelation zwischen einer an seinen Grundlinien ausgerichteten, gesunden und effektiven Kultur und besseren geschäftlichen Ergebnissen (die umgekehrte Korrelation ist leider ebenso deutlich).

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bosbach.mobi 04.12.2013

Beispiele dafür gibt es auch...
....in Deutschland und Europa einige. Welchen großen Einfluß Vision, Kultur & Führung gemeinsam auf den Geschäftserfolg haben, zeigen die Studien von Frau Prof. Dr. Heike Bruch von der Uni St. Gallen. Sie hat für den Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und den genannten soft skills den Begriff der "Organisationalen Energie" geprägt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung an über 800 Unternehmen sind eindeutig: Es besteht eine starke Korrelation zwischen einer verbindenden Kultur mit einer inspirierender Führung und dem Unternehmenserfolg. Auch ein anderes Analysetool, dass ich in meiner Arbeit benutze - das Performance Triangle - zeigt regelmäßig die gleichen Zusammenhänge und erlaubt, ähnlich wie bei Trane, die Unternehmensbereiche zu benennen, bei denen schnell mit einer Kulturförderung begonnen werden sollte. Ein weiteres Ergebnis, dass ich nur bestätigen kann: Wenn Kultur als ein Thema erkannt ist, das es zu fördern lohnt, so sind schnell positive Ergebnisse feststellbar. Der Fokus auf diese Themen verbessert die Wahrnehmung im gesamten Unternehmen und steigert zum Beispiel die Motivation der Mitarbeiter und damit zum Beipiel auch die Kundenbegeisterung.

eb.schmidt 18.12.2013

Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken
Das Thema Unternehmenskultur wird sicherlich in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zum einen, weil die zukünftigen Führungskräfte weniger an Geld und Macht interessiert sind und zum anderen, weil immer deutlicher wird - wie auch hier im Artikel dargestellt - dass die Qualität der Unternehmenskultur deutlichen Einfluss auf das Geschäftsergebnis hat. Aus meiner Sicht ist allerdings wichtig, nicht zu vergessen, dass „der Fisch am Kopf zu stinken anfängt“. Will heißen, dass die Unternehmenskultur von oberster Stelle vorgegeben wird, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Wenn man sich allerdings dessen bewusst ist und die eigenen Werte und Visionen im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden zum Ausdruck bringt, wird das Ergebnis begeistern.

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